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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Wasser des Lebens“
Predigt zu Exodus 17,2-6
Pastor Frank Mühring          Bremen, 20.7.2014

Auf Befehl des HERRN zog die ganze Gemeinde Israel von der Wüste Sin aus weiter, von einem Lagerplatz zum andern. Einmal schlugen sie ihr Lager bei Refidim auf. Dort gab es kein Trinkwasser. Da machten die Israeliten Mose schwere Vorwürfe und forderten: »Gib uns Wasser zum Trinken!« Mose erwiderte: »Warum macht ihr mir Vorwürfe? Warum stellt ihr den HERRN auf die Probe?« Aber die Leute von Israel hatten großen Durst, deshalb murrten sie gegen Mose und sagten: »Wozu hast du uns eigentlich aus Ägypten herausgeführt? Nur damit wir hier verdursten, samt unseren Kindern und dem Vieh?« Da schrie Mose zum HERRN: »Was soll ich mit diesem Volk machen? Es fehlt nicht viel und sie steinigen mich!« Der HERR antwortete ihm: »Rufe ein paar von den Ältesten Israels zu dir und geh mit ihnen dem Volk voran. Nimm den Stock in die Hand, mit dem du ins Nilwasser geschlagen hast. Dort drüben auf dem Felsen, am Berg Horeb, werde ich dich erwarten. Schlag an den Felsen, dann wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken.« Vor den Augen der Ältesten Israels tat Mose, was der HERR ihm gesagt hatte. Der Ort wurde Massa und Meriba (Ort der Probe und Anklage) genannt, weil dort die Israeliten Mose angeklagt und den HERRN auf die Probe gestellt hatten. Denn sie hatten gefragt: »Ist der HERR mitten unter uns oder nicht?«

Liebe Gemeinde,

Lebensdurst kann quälend sein. Du hast das Gefühl, am Leben zu sein, aber nicht wirklich zu leben. Man hat so einen Geschmack nach mehr auf der Zunge, ist aber nicht  mit dem zufrieden, was man hat. Du kannst versuchen, diesen Durst materiell zu stillen. Nicht zufällig gab es mal ein Versandhaus mit dem Namen „Quelle“. Prinzip: Kaufe dich satt - dann hast du ein erfülltes Leben. Kann man sich erfülltes Leben wirklich kaufen?

Durst, so hat mal jemand gesagt, ist ein Beweis für die Existenz von Wasser.
Lebensdurst wäre dann ein Beweis für die Existenz von Leben, von einem echten, erfüllten Leben. In der Bibel ist beides untrennbar verbunden. Nicht zufällig war in Israel die Frage nach Wasser immer auch eine religiöse Frage. Ohne Wasser kann kein Mensch, kein Volk, kein Land überleben. Wasser ist immer auch ein handfestes Zeichen für himmlischen Segen.

In Amerika gibt es eine Kirche, durch die ein beständiger Strom von Wasser floss. Die ehemalige Chrystal Cathedral des Fernsehpredigers Robert Schuller. Eine gigantische Verschwendung. Doch die Botschaft war eine andere: „Mensch, hier ist die Quelle des Lebens, hier bist ganz nahe bei Gottes Wort!“

Über 1 Milliarde Menschen fehlt eine Quelle. Sie haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wasser ist ein Menschenrecht. Es gibt viel Wasser auf der Erde, dem blauen Planeten. Aber nur sehr wenig davon ist trinkbar. Im Bild gesprochen ist nur ein Löffel einer Badewanne voll Wasser tatsächlich trinkbares Frischwasser. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Wasser nicht einfach zur Ware wird. Wasser ist ein kostbares und lebensnotwendiges Gut, das es für alle zu bewahren und gerecht zu teilen gilt. Leben teilen, das wollen wir als Gemeinde.

*

Auch bei Mose und Israel in der Wüste geht es um das Wasser und die Überlebensfrage. „Ist der Gott mitten unter uns oder nicht?“ Die Frage aller Fragen, wenn man in der Wüste seines Lebens ist. Wenn man dürstet nach einem besseren Leben. Gibt es ihn oder nicht? Wie wir diese Frage beantworten, davon hängt unser Leben ab. Und nicht weniger als das Überleben auf diesem Planeten.

In dieser Geschichte aus dem Buch Exodus wird das festgemacht am Thema „Wasser“. Durst zu haben ist furchtbar. Einen heißen Tag lang nichts trinken, ist furchtbar. In Syrien, wo Krieg herrscht, fehlt das Wasser. Viele Wasserleitungen sind kaputt. Besonders die Kinder haben kaum noch Wasser und müssen verdursten. Kein Wunder, dass Menschen von dort fliehen, wenn es nicht einmal Wasser gibt. Leicht zu für uns sagen, sie sollen doch nicht alle nach Europa kommen. Was würden Sie machen, wenn Sie kein Wasser haben?

Wanderungen in der Wüste ohne Wasser machen Menschen fertig. Deshalb hat Mose, der seine Leute ins gelobte Land führen will, Furcht vor dem eigenen Volk. „Herr, die werden mich gleich steinigen! Sie sind so von Sinnen, dass sie gar nicht mehr sehen können, dass du uns auf dieser Wüstenwanderung begleitest.“

Das Volk Israel ist in der Wüste. Im Niemandsland zwischen Sklaverei und Freiheit. Die Leute murren. In Ägypten gab es immer genug Wasser. Mose hatte ihnen das Paradies versprochen, etwas ganz anderes als die trockene Wüste. Und sie murren gegen Gott. War Gott noch auf ihrer Seite oder hatte er sie verlassen?

*

Solche Zeiten im Niemandsland kennen wahrscheinlich viele von uns. Wenn die Wüste ins Leben eingezogen ist. Eine Trennung. Eine Krankheit. Die Sorge um Kinder. Die Frage: Was wird morgen sein? Vor siebzig Jahren war unser Land Deutschland eine Wüste. Auf den Koppelschlössern der Soldaten stand „Gott mit uns“. Aber die vom Krieg ermüdeten Menschen fühlten schon lange, dass das nicht stimmt. Wo Leben vernichtet wird, nicht nur im Krieg, sondern auch Juden, einfach weil sie Juden sind, kann Gott nicht mit uns sein. Deswegen erinnern wir uns an jedem 20. Juli dankbar an die tapferen Männer und Frauen, die Hitlers Mordmaschinerie in den Arm gefallen sind.

Auch für die Israeliten pocht die Frage im Herzen: „Ist Gott mitten unter uns oder nicht?“ Das Volk leidet an Durst. Für das Fehlen des Wasser findet man schnell den Sündenbock: Mose. Wie leicht machen wir andere für unseren Durst verantwortlich. Der Partner hält uns vom echten Leben ab, die Gemeinde lässt uns im Stich, die Kirche versagt. Stimmt das wirklich? Liegt es nicht an unserer eigenen Blindheit, dass wir nicht zur Quelle des Lebens gelangen? 

Mose ruft zu Gott und bittet um Hilfe. Er betet zu Gott. Wie gut das tut, wenn man in Wüstenzeiten wieder das Gebet entdeckt! Gott hört dich. Er sieht deine Not, lange bevor du zu ihm betest. Wie Mose können auch wir in solchen Wüstenzeiten aktiv werden, unsere Sorgen und Nöte Gott geben, sie aufschreiben, vor einem guten Freund, einer Freundin aussprechen, bei einsamen Spaziergängen in den Wald rufen und laut sagen, wonach wir dürsten. 

*

Gott antwortete Mose. „Geh hin. Siehe, ich will dort vor die stehen auf dem Fels am Horeb.“ Die Ältesten sollte Mose mitnehmen, um ihnen zu begegnen und ihnen Wasser zu geben. Gott ist da. Er ist mitten unter uns. Gerade wenn wir tief in der Wüste unseres Lebens sind. Er ist schon an der Quelle, die wir vor lauter Durst nicht sehen können. Er will uns lebendiges Wasser geben. Jesus ist dafür Mensch geworden, um uns dieses Wasser zu sein.

Es gibt genug Wasser und Quellen auf der Welt, für alle Menschen.   „There is enough for everyone’s need, but not enough for everyone’s greed“, sagte Mahatma Gandhi – „Es gibt genug für die Bedürfnisse aller Menschen, aber nicht genug für ihre Gier.“ Und kein anderer als Martin Luther sagt in seinem Kleinen Katechismus, in der Erklärung zum ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses: dass Gott der Schöpfer „mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt“. Ich wiederhole: „mit allem, was not tut für Leib und Leben“, aber nicht – so füge ich hinzu – mit allem, was ich für meinen extravaganten Konsum vergeude. Können wir guten Gewissens so viel Wasser für den englischen Rasen und den Golfplatz hergeben, wenn woanders Menschen nach sauberem Wasser dürsten?

Gibt es Hoffnung? Wenn der Prophet Amos sagte: „Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (5,24), dann mag vor seinen Augen auch das Bild der Paradiesströme gestanden haben. Dieses Bild wird am Ende der Bibel im letzten Kapitel der Bibel, in der Offenbarung des Johannes wieder aufgenommen: Keine Bedrohung mehr durch chaotische Gewässer; auch die Verseuchung des guten Wassers durch menschliches Handeln ist vorbei; nur noch die erfüllte Verheißung Gottes! So lesen wir in den ersten beiden Versen des 22. Kapitels der Offenbarung des Johannes: „Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes; mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker“ (Offb 22,1.2).

Das sollte unser Ziel sein: Das Wasser des Lebens. Kein Mensch muss mehr dürsten. Die Erde und die Menschen überleben selbst Durststrecken.

Amen.

 

 
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