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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Summertime“

Predigt zu 1. Korinther 1,18-25

Pastor Frank Mühring         Bremen, 26.6.2016

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben. Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.   1. Korinther 1,18-25

Liebe Gemeinde,

„Summertime and the living is easy.“ Es ist Sommer und das Leben ist leicht. Sicher kennen Sie das bekannte Lied aus der Oper „Porgy und Bess“ von George Gershwin. Es wird am Strand gesungen, kurz bevor der Morgen anbricht. Man denkt sofort an Urlaub und Sonne. Auf den ersten Blick klingt das Lied der Fischerin Bess von der Catfish Row auch so: Sommerzeit, Leichtigkeit. Die Fische springen umher, die Baumwolle steht hoch. Dein Vater ist reich und deine Mutter sieht gut aus. Summertime and the living is easy. So träumen wir uns den Sommer. So würden wir mit anderen gern leben. Jetzt und alle Tage. Leicht, unbeschwert, unbekümmert. Wie in einem endlosen Sommer.

Doch die Geschichte von Porgy und Bess spricht auf den zweiten Blick eine ganz andere Sprache. Sie spielt in der Catfish Row, einer armseligen Fischergasse. Niemand ist dort reich. Das Leben dort ist alles andere als Luxus. Es ist hart. Die Fischerin Bess hält ein Waisenkind im Arm, dessen Zukunft mehr als unsicher ist. „Summertime“ erzählt keineswegs vom lockeren Leben. Es ist die wehmütige Klage einer Frau, die ahnt, wie zerbrechlich das Leben ist. Wie oft ihre Träume vom guten Leben durchkreuzt werden können. Dass sie nicht auf die Sonnenseite der Straße gehört. So erzählt „Summertime“ viel mehr von einem Leben unter dem Kreuz. Aber auch von dem ungebrochenen Lebenswillen der armen Leute. Von Menschen, die gegen alle Augenschein auf einen unbesiegbaren Sommer hoffen, der für sie kommen soll. Gegen alle Dunkelheit gibt Bess trotzig die Parole aus: „Summertime“.

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„Summertime and the living is easy.“ Sommer und leichtes Leben, wer wünscht sich das nicht? Die meisten Leute glauben, Glück bedeute, fern von allen Krisen zu leben. Sorgenfrei zu sein. Gerade die Urlaubszeit wird darum unglaublich aufgeladen. Hier muss das Glück sich einstellen, das im grauen Alltag vielleicht gefehlt hat. Die Sommerzeit muss nach Paradies schmecken und frei sein von aller Beschwerde. Ich gönne den Menschen ihren Traum vom unbeschwerten Sein. Nennen Sie mich einen Pessimisten, aber dieser Traum wird sich selbst im schönsten Urlaub so nicht erfüllen lassen. Bedeutet Glück denn wirklich, von allen Krisen und Beschwernissen verschont zu bleiben? Sich mit heiler Haut und ohne Sorgen im Gepäck auf einem Liegestuhl zu sonnen? Ratgeber gibt wie „Sorge dich nicht, lebe!“ gibt es genug, die uns einen Weg dahin bahnen wollen. Sie klingen verlockend, einladend, vertraut. Aber es ist gerade kein Glück, ohne Krise zu sein. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Ich denke, dass gerade schwierige Situationen Trainingsfeld sein können für inneres Wachstum. Das leichte Leben ohne jedes Kreuz wird nur wenigen geschenkt werden.

Das Leben wird leicht, wenn du nur glaubst.  Ein solches Christentum predigen die Apostel in der Hafenstadt Korinth. Es ist ein Christentum „light“ ohne das Kreuz. Damit haben die Redner außerordentlichen Erfolg. Man nennt sie deswegen sogar die „Superapostel“. Leute, die das Christentum scheinbar viel besser verkaufen können als Paulus. Sie sind klug und schriftgelehrt und geben sich als Weisheitslehrer zu erkennen. Um sie scharen sich mehr Menschen als bei dem eher schwachen Redner Paulus. Glaube an Gott und du bist gerettet, sagen sie. Der Weg des Christen ist ein Weg nach oben, zum Licht, sagen sie. Du musst nur fest darauf vertrauen, dann stellt sich auch bei dir der Erfolg ein. Vereinfache dein Leben. Verbanne alles, was dich ärgert. Denke immer positiv. Wünscht du dir etwa nicht etwas mehr Unbeschwertheit und Leichtigkeit? Es ist möglich, steige die Stufenleiter nach oben!  Gott liebt dich.

Die Botschaft der Superapostel ist verlockend. Denn sie klingen für die einfachen Leute aus der Hafenstadt so vertraut, so christlich, so richtig. Nur es fehlt etwas. Und das ist die Mitte des ganzen Christentums. Es fehlt das Kreuz. Es fehlt die Quintessenz. Die Botschaft vom unbesiegbaren Leben, das den Tod durchgestrichen hat..

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Paulus ist darum ganz und gar nicht zufrieden mit der Konkurrenz der Prediger n Korinth, die das Christentum zum billigen Preis verkaufen. Sein Brief ist wie das reinigende Gewitter nach einem allzu schwülen Tag. Es blitzt und donnert in allen Passagen. Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft. Paulus schnaubt: So einfach denkst Du Dir den Glauben? Mach es Dir mit Gott nicht zu leicht. Das, worum sich alles dreht, ist Jesus Christus. Er steht im Zentrum. Nicht positives Denken. Nicht sorgenfreies Leben. Das Kreuz ist die Mitte. Unser Leben ist nicht „easy living“. Es ist ein Leben unter dem Kreuz.

Es steht geschrieben: »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« Paulus poltert weiter: Ihr gebildeten Kreuzesverächter! Glaubt ihr denn, ohne das Kreuz wären die Menschen zufriedener, friedlicher, glücklicher und auch nur ein Hauch sorgloser? Gewalt lehnt ihr ab, deswegen mögt ihr das Kreuz nicht. Gut! Aber hat Jesus sich denn selbst gekreuzigt? Eure Klugheit und Weisheit gefällt mir nicht. Aus humanistischen Gründen lehnt ihr weisen Menschen das blutige Symbol eines Folteropfers ab. Na gut! Dann bin ich, Paulus, eben der Dumme. Aber ich lasse mir nicht den entscheidenden Baustein nehmen, der das Haus des Christentums zusammenhält. Gott ist anders, als ihr ihn euch malt. Das Kreuz entscheidet. Es zeigt, wer wir Menschen sind und wer Gott ist. Wir sind Verlorene, Menschen unter dem Kreuz. Wir können uns nicht selbst retten. Gott aber holte Jesus aus seiner dunkelsten Stunde. Gott ist da, wo wir schwach sind. Selbst die tiefste Dunkelheit kann er in Licht verwandeln.

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Es fällt mir oft schwer, Gott und Schwachheit zusammen zu denken. Aber genau das sagt mir das Kreuz. Und das ist für mich tröstlich. Wir alle träumen immer noch den Traum von einem starken Gott, der uns den Weg zu ihm leicht macht. Wir träumen uns das Leben ohne Kreuz, von unbeschwertem Glück. Das Kreuz redet davon, wie verletzlich das Leben ist. Wie ohnmächtig und schwach Gott selbst in dieser Welt sein kann. Wie er an der Welt mitleidet. Schwäche ist für uns heute vielleicht das Schlimmste, das uns  passieren kann. Die Diktatur der Gesunden, der Belastbaren, der Starken ist allgegenwärtig. Manchmal auch in der Kirche. Da wird dem Götzen „Belastbarkeit“ gehuldigt, koste es, was es wolle. Ich leiste etwas, also bin ich.

Glauben aber geht anders. Es geht nicht ohne Kreuz. Das Kreuz erst gibt dem Leben Tiefe und Ernst. Kannst Du dem Gekreuzigten in die Augen schauen und ihm das sagen: Ich brauche dich nicht? Lehnst Du mit ihm nicht auch all das Schwächliche, Kranke ab, was es doch in jedem Leben gibt? Lass dich trösten! Gott kennt genau das Gefühl, was dich am stärksten bewegt: Schwäche, Demütigung, Schmerzen, Hilflosigkeit. Das ganze Kreuz des Lebens ist in Jesus lebendig. Das Kreuz der Catfish Row und das Kreuz an der Oberneulander Landstraße. Ohne dieses würde dem Leben die entscheidende Kraft fehlen. Eine göttliche Kraft. Nicht, weil für uns Leiden irgendwie erstrebenswert  wäre. Sondern weil wir einen Gott brauchen, der tiefer unten war, als wir es je sein könnten. Damit er uns auffangen kann, wenn wir fallen. Keiner von uns ist grenzenlos stark. „Summertime and the living is easy.“ Nein. Wie die Fischersfrau Bess wollen wir es bloß so aussehen lassen.

Gott kann auch aus Schwachheit etwas machen kann, das tatsächlich stärker ist als menschliche Stärke! Wie oft hat es sich später herausgestellt, dass Gottes Wege mit uns weiser waren, auch wenn wir sie für seltsam und unverständlich hielten. Unter dem Kreuz lernen wir Barmherzigkeit. Gnädiger zu sein mit meinen Fehlentscheidungen, Unzulänglichkeiten, Sorgen und  Problemen. Denn bei Christus kann ich Barmherzigkeit lernen. Mit mir selbst und mit anderen. Ich darf den Mut haben, auch schwach zu sein und andere zu brauchen. Aber ich darf auch stark sein und die Lasten anderer mittragen, ohne sie zu demütigen. Ich muss nicht andere klein machen, damit ich groß bin.

Von John Henry Newman stammt der Satz: „Gott nimmt uns nicht das Kreuz ab,
aber er gibt uns Kraft zum Tragen“.

Amen. 

 
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