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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

"Die Liebe macht Gott sichtbar"

Predigt zu 1. Johannes 4,7-12

Pastor Frank Mühring             Bremen, 21.8.2016

Ihr Lieben! Lasst uns einander lieben, weil die Liebe aus Gott ist, und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und (er-) kennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, weil Gott Liebe ist. Darin ist die Liebe Gottes in uns erschienen, dass Gott seinen einzig geborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Darin besteht die Liebe: nicht, weil wir Gott geliebt hätten, sondern weil er selbst uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Versöhnung für unsre Sünden. Ihr Lieben, wenn Gott uns derart geliebt hat, dann müssen wir uns einfach lieben!  Niemand hat Gott jemals gesehen; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns zu ihrem Ziel gekommen.    1.Johannes 4,7-12

Liebe Gemeinde,

manchmal stellen die Kinder unseres Kindergartens große Fragen. Ich denke dabei an Fabian, sechs Jahre alt. Ein ungewöhnlich wissbegieriger Junge. Manchmal kann er andere nerven mit seinem „Warum“ und „Wieso“. Offenbar ist das seine Art, die Welt zu entdecken. Seine Fragen leitet er kunstvoll ein. „Weißt du was, ich muss dich wirklich mal was fragen.“ Eigentlich muss ich weiter, sagt meine innere Uhr. Nie ist Zeit für die großen Fragen des Lebens. Doch ich gebe mir einen Ruck. „Na sag, Fabian, was willst du wissen?“ Fabian zeigt auf die Kirche hinter dem Kindergarten. „Ich war schon so oft in der Kinderkirche. Du erzählst da immer von Gott. Ich will jetzt mal wissen: Wie sieht Gott denn eigentlich richtig aus? Ich habe den in echt noch nie gesehen.“

Wie sieht Gott aus? Was soll ich jetzt auf die Schnelle antworten? Bilder schießen mir durch den Kopf. Gott, der im Himmel wohnt. Der seine Liebe wie Sonnenstrahlen zur Erde schickt. Ich krame nach Gedanken wie in einer unübersichtlichen Schublade. Fabians Blick aber ruht auf mir. Ich spüre: Ausweichen oder mogeln gilt nicht. Der kleine Junge hat einen wunden Punkt bei mir getroffen. Es ist die Unsichtbarkeit Gottes, die ihn quält. Wie geht das, Gott sichtbar zu machen? Fabian ist nicht der erste, den das beschäftigt.   

Schon Dietrich Bonhoeffer schreibt an einen Studienfreund: „Die Unsichtbarkeit Gottes macht uns kaputt. Wenn es wenigstens etwas zu sehen gäbe. Aber dieses wahnwitzige dauernde Zurückgeworfensein auf den unsichtbaren Gott selbst, das kann doch kein Mensch aushalten.“  (Ges. Schr. Bd. I, S. 61. Werke Bd. 11, S.33.) Die Unsichtbarkeit Gottes macht uns kaputt, sagt Bonhoeffer, ein Experte der Theologie, Und die Frage des jungen Fabian, wie Gott eigentlich aussieht, hörte ich auch als eine Anfrage an die Kirche: Schafft ihr das, Gott sichtbar zu machen für die Menschen in dieser Welt? Oder schafft ihr es nicht?

*

Der 1. Johannesbrief, so sanft seine Worte über die Liebe klingen mögen, führt uns mitten hinein in einen Streit. Die erste Gemeinde der Christenheit ist uneins in der Gottesfrage. Es gibt eine Spaltung, wie man über Gott denken soll. Konkret: Hat Gott einen Körper oder nicht? Die einen sagen wie der Philosoph Platon: Gott ist reiner Geist, unkörperlich, unsichtbar, fern von jeder Materie, über allem Dinglichen. Je unsichtbarer Gott gedacht wird, desto realer wird Gott, sagte diese Gruppe. Die Platoniker denken so. Gott ist weit über uns, so weit, dass niemand ihn erreichen kann. Die andere Christen, in deren Alltag an jeder Ecke ein Tempel stand, die gewöhnt waren an Zeus-, Götter- und Kaiserstatuen, behaupten. Gott muss einen Körper haben. Nur was einen Körper hat, existiert. So sagt es Aristoteles. Da Gott existiert, muss er körperlicher Natur sein. Diese Gruppe denkt ein bisschen wie Fabian: Wenn  Gott wirklich Gott ist, muss man ihn doch sehen können. Du musst ihn berühren, spüren, erleben können. Damit, dass er unsichtbar ist für unsere Augen, wollen diese Christen sich nicht zufrieden geben.

„Jeder, der liebt, kann Gott erkennen,“ verspricht der Apostel Johannes in seinem Brief allen, die Gott suchen. Gott ist die Liebe, das ist für ihn die Lösung in diesem Streit um die Sichtbarkeit Gottes. Wenn du Gott suchst, findest du ihn in der Liebe. Die Liebe ist unkörperlich und körperhaft zugleich.  Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, weil Gott Liebe ist.

*

„Gott ist die Liebe.“ Mit diesem Satz Gott zu finden, macht das Denken nicht unbedingt leichter. In unserer Welt lauern Gewalt, Unrecht und Lieblosigkeiten. Keine Nachrichtensendung, die nicht von der abwesenden Liebe Gottes erzählt. Ob Aleppo oder die Favelas von Rio. Jedes Kind, das Krieg und Schießereien erleben muss, ist ein Gegenargument gegen den lieben Gott. Jede Waffe, die auf Menschen zielt, schiebt den lieben Gott ein Stück weiter in die Unsichtbarkeit hinein. Jedes bittere Wort der Verachtung gegen Menschen, die anders sind, negiert Gott. Es gibt Orte und Zeiten, wo eine völlige Gottesfinsternis herrscht.

Aber es gibt auch ein Gegengift gegen die Gottesfinsternis. Gott hat sich nicht in ein unerreichbares Nirwana zurückgezogen. Gott erscheint, sagt Johannes. Diese Welt ist keine gottlose Welt. Wenn du Augen hast zu sehen und einen Kopf zum Denken, dann erkennst du seine Spur.  Darin ist die Liebe Gottes in uns erschienen, dass Gott seinen einzig geborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. „Gott ist Liebe“ kann nur heißen: „Gott ist Liebender“. Er wird Person. Die Liebe Gottes erscheint real. Sie ist körperlich geworden. Denn Gott ist in Jesus, einem Menschen erschienen. In Jesu ist Gott Mensch geworden, weil er in allen Menschen Mensch werden will. Weil seine Liebe in allen Menschen Liebe werden will.

Gottes Liebe ist erschienen. In Jesus kannst du Gottes Liebe sehen. In ihm reißt die Wolkendecke des Himmels auf. Oder in Fabians Sprache: Da ist Gott in echt drin. Aber die Fortsetzung der Liebesgeschichte ist fraglich. Wir kennen das aus den Liebesromanen dieser Welt. Überall, wo die Liebe gefeiert wird, da ist sie auch bedroht. Ist in Gefahr, ihre wahre Bestimmung zu verfehlen. Im Johannesevangelium heißt es: Er, Gottes Sohn, kam in seine Welt, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Gottes Liebe wurde menschlich, fasslich, sagbar und spürbar. Aber die Seinen ergriffen sie nicht. Sie ließen die Liebe ins Leere laufen. Seit dem Ende der Liebe am Kreuz steht der Satz „Gott ist die Liebe“ auf dem Spiel. Es muss um ihn gerungen werden. Gott muss sichtbar gemacht werden in dieser Welt. Nur die Liebe macht gott sichtbar. Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns zu ihrem Ziel gekommen.

*

Seht, darum brauchen wir die Kirche und die Taufe. Weil Gott in dieser Welt fraglich ist. Ob es ihn gibt oder nicht. Ob er körperlich ist oder keine Person. Getauft zu sein, heißt einen Erbschein zu bekommen. Du bist ein Miterbe der Liebe Gottes. Mehr kann gar nicht auf dein Konto fließen als die Liebe. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, sondern ein Gedanke der Liebe Gottes. Unser Täufling Hanna, die Konfirmanden, jeder von uns. Und Kirche, die muss Hebamme für die Liebe Gottes sein. Sie muss die Liebe Gottes ans Licht der Welt bringen. Glaube ist ein Gegenmittel gegen das Gefühl, in der Welt gehe alles den Bach herunter.

Wer glaubt in der Taufe? Gott an das Kind. Die Taufe sagt dem Menschen auf den Kopf zu: „Gott liebt dich und braucht dich.“ Es ist wie mit dem Wellensittich. Der lebt davon, dass du ihn für wichtig hältst. So lebst auch du davon, dass Gott dich für wichtig hält. Gottes liebe ist das Pluszeichen vor der Klammer. Vor allem, was noch im Leben kommen mag, es mag Schweres und Leichtes sein, Leid oder Freude. Das Pluszeichen vor der Klammer steht. Gott liebt dich und braucht dich, darum lebst du. Das kau wie eine Nahrung, im Gehen, bei der Arbeit, beim Reden mit dem Chef. Nimm alles, was geschieht als das, womit dich Gott am Leben hält. Hilf ihm, andere am Leben zu halten. Wenn Gott als Liebe in deinem Leben erscheint, gib sie weiter. Lass sie fließen. Gott steht zu dir, als wärest du sein einziger Mensch. Biete dich an als Landeplatz für Gottes große Liebe. Darum, liebe, freue dich. Und mach andern Freude.

Von Theresa von Avila, einer Klosterfrau, stammt der Rat: Nichts beunruhige dich, nichts ängstige dich. Wer Gottes liebe hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.

Amen.

 

 

 
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