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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Ein guter Anfang“

Predigt zu Jeremia 23,5-8

Pastor Frank Mühring          Bremen, 27.11.2016

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.

Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.

(Jeremia 23,5-8)

Liebe Gemeinde,

neu anfangen. Beim Monopoli ist es möglich. Im Spiel kannst du noch einmal über „Los“ gehen und alles beginnt von vorn. Egal, wie es bisher gelaufen ist. Du kannst eine neue Runde machen, neue Häuser kaufen, verlorenes Geld zurückgewinnen. Dem Spiel einen anderen Verlauf geben. Vielleicht überraschend vom Weg des Verlierers wieder auf die Siegerstraße kommen. Und vielleicht werden dann, in der nächsten Runde, die Besitzenden leer ausgehen. Was im Spiel geht, ist das im Leben vielleicht auch möglich? Es ist die Sehnsucht vieler Menschen, neu anfangen zu können. Kann ich im Leben auch noch einmal über „Los“ gehen? Der amerikanische Schriftsteller Thornton Wilder meint, es geht. Er schrieb: „Das ist alles, was wir Menschen tun können: immer wieder von neuem anfangen, immer und immer wieder."

*

Advent erzählt die wunderbare Geschichte von Gott, der mit uns Menschen neu anfängt. Er kommt, um mit uns über „Los“ zu gehen. Die Bibel ist voll von guten Neuanfängen. Gleich auf der ersten Seite setzt Gott einen echten Anfang.  „Am Anfang schuf Himmel und Erde.“ Der gute Anfang: noch nichts verdorben, alles offen. Mit diesem ersten Anfang schwingen beim Lesen und Hören all die Anfänge mit, die wir schon hinter uns haben. Unsere Kinderzeit, der Schulanfang, der erste Kuss, die erste Freundin, das erste selbst verdiente Geld, das erste Haus. Am Anfang ist noch alles drin. Wenige Kapitel später wird von Noah erzählt, der für das Überleben der Menschen und Tiere arbeiten soll. Der Erbauer der lebensrettenden Arche. Am Ende der Sintflut steht für Noah ein neuer Anfang. Gott lockt ihn aus der Arche in ein neues Leben: „Geh aus der Arche, du und deine Frau und deine Söhne. Und alle Tiere, die bei dir sind.“ Das Spiel des Lebens kann wieder von vorn, unter dem Vorzeichen von Gottes Segen, ganz anders beginnen.

Ein guter Anfang ist wichtig. Und Gott sah, dass es gut war, heißt es in der Genesis.Auch dieser Anfang war ein guter Anfang. Der Anfang der Welt, der Schöpfung war ein guter Anfang. Danach ist viel schief gelaufen. Vielleicht wie bei unseren eigenen Anfängen im Leben. Nach der Schöpfung geraten die Menschen auf eine schiefe Bahn. Über das Aufkeimen des Bösen wird erzählt. Dass Gottvertrauen schwindet wie die Hoffnung auf eine gute Zukunft. Und die Folgen davon: Kain erschlägt Abel.  Das Paradies ist verschlossen. Die gemeinsame Sprache des Friedens geht verloren. Es fehlen uns die versöhnenden Worte. Der Krieg verdunkelt das Antlitz der Erde. Viel Gutes bleibt auf der Strecke unterwegs. Aber eines bleibt: der gute Anfang. Er wird mit den Sünden der Welt nicht aufgehoben. Der Anfang war gut. Gott hat die Erde und die Menschen gut geschaffen. Wir brauchen Geschichten mit einem guten Anfang.

Vor allem unsere Zeit braucht sie, wo viele meinen, alles wird schlechter. Wenn Leute die Brechstangenpolitik von Männern wie Donald Trump und Frauen wie Marine Le Pen für die Lösung halten, muss an die guten Anfänge erinnert werden.

Wir wissen viel zu wenig, wie man Hassparolen entkräftet, die sich im Internet wie ein Virus unter der Haut verbreiten. Erdenschwer sind wir mit unseren Sorgen und Nöten und wissen wenig von einem befreienden Himmel. Was wir brauchen, ist ein Neustart. 

*

Jeremia ist eine echte Adventsgestalt. Einer, der das Neue schon im Kommen sieht. Er schaut nach vorn und nicht zurück. Einer, der den müden und gleichgültig gewordenen Leuten neue Hoffnung schenken will. Siehe, sagt er, als wollte er uns Blinden die Augen öffnen. Schaut doch mal genauer hin! Gott ist in dieser Welt am Wirken. Er setzt überall zarte Neuanfänge. In jeder Kinderklinik, in jeder Schule, in jeder Universität. Dort, wo neue Ideen wachsen, ist er mit dabei. Ideen des Friedens und der Gerechtigkeit. Gott hat das schon immer getan hat. Wie sollte er nicht auch mit dir einen Neuanfang machen?

Propheten brauchen wir. Leute wie Jeremia, die uns eine neue Sicht auf die Welt erlauben. Die uns bitten: „Sieh genau hin!“ Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Propheten wie Jeremia verwickeln uns in Widersprüche. Sie widersprechen unserer Hoffnungslosigkeit. Sie stimmen nicht ein in das Konzert jener, die uns glauben machen wollen, alles gehe den Bach herunter. Es ist so verdammt einfach, die Welt blöd zu finden und nur schwarz zu sehen. Jeremia hat von Gott her eine andere Botschaft für uns. Siehst du nicht, dass etwas wächst? Der Spross schaut schon aus der Erde. Jeremia ruft uns zu: Eine neue Zeit kommt, ein neuer gerechter König, und alles wird sich wenden.

Das Wort "anfangen" kommt von anpacken, anfassen, in die Hand nehmen. Neu anfangen heißt daher, das Leben nicht wegzuwerfen oder zu verträumen. Sondern es in die Hand zu nehmen. Ich fange neu an, das heißt ich übernehme Verantwortung. Ich gestalte mein Leben so, wie Gott es mit mir vorhat. Ich höre auf, darüber zu jammern, dass ich durch meine Erziehung oder durch meine Veranlagung festgelegt bin. Ich kann immer neu anfangen. Ich kann die Dinge, die mir als Lebensmaterial vorgegeben sind, in die Hand nehmen und gestalten. Noch einmal über „Los“ gehen. Gott macht mir Mut dazu. Selbst, wenn ich inmitten der Scherben zerbrochener Lebensträume hocke.

Der Schriftsteller Franz Werfel hat ein fesselndes Portrait des Propheten Jeremia gezeichnet. Am Schluss des Romanfragments „Jeremias – Höret die Stimme“ lässt er den Propheten durch die verkohlten Trümmer des Jerusalemer Tempels irren. Alles ist kaputt. Auch der Glaube. Was soll man nur anfangen? Jeremia stolpert über rauchgeschwärzte Steinquader, schwelende Holzbalken und meterhohen Schutt. Nur eine Ahnung lenkt ihn dorthin, wo das Allerheiligste gewesen sein könnte. Aus der Asche klaubt Jeremia eine Scherbe. Drei Wörter in hebräischen Buchstaben sind lesbar geblieben: „Damit du lebst.“ Mehr ist nicht zu erkennen, aber auch nicht weniger. So wird der Roman zu einer Einladung zu einem Neuanfang. Gott möchte, dass du lebst. Darum holt er dich heraus aus den Trümmern deines bisherigen Lebens. Dein Leben kann noch einmal von vorn beginnen.

*

Im Advent ist Zeit für Neuanfänge. Jesus sorgt für eine Unterbrechung im Lauf der Zeit. Er zieht in Jerusalem ein. Und er zieht auch bei uns ein. In unser ungeordnetes, chaotisches Leben, wo so wenig Platz für Neues ist. Er schafft sich selber Raum. Er findet das Tor, den Eingang zu dir. Er sorgt für eine "Unterbrechung" des Bisherigen. Was ist damals in Jerusalem passiert? Die Leute bleiben neugierig stehen, als sie den Eselreiter sehen.  Alles andere wird Nebensache. Sie nehmen Palmzweige und legen sie ihm zu Füßen. Und singen: „Hosianna dem Sohn Davids.“ Da kommt er, der Anfang einer neuen, anderen Zeit. Der gute Anfang für die Welt.

Advent heißt: Gott fängt in Christus noch einmal neu an. Hier hat Gott etwas in die Welt gesetzt, das ist der Anfang. Der immer neue Beginn. Immer wieder geht etwas los. Fortwährend Geburt. Jetzt kann ich einen neuen Gedanken fassen, mich neu entscheiden, unaufhörlich bis zum letzten Atemzug kann ich neu anfangen.

Heute Morgen kann ich mit dem Rest meines Lebens beginnen. Gott ist mit dabei. „Ich bin da“ sagt er zu allen, die anfangen. „Ich bin da, auch wenn dein Anfang so zart ist wie das Baby im Futtertrog. So hab ich auch angefangen, ich kenn das.“

In einem Gebet, das ich liebe, heißt es:

Herr, erwecke deine Kirche

und fange bei mir an.

Herr, baue deine Gemeinde

und fange bei mir an.

Herr, lass Frieden

überall auf Erden kommen

und fange bei mir an.

Herr, bringe deine Liebe

und Wahrheit

zu allen Menschen

und fange bei mir an.

 

Amen.

 

 
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