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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Glaube, der zum Fliegen kommt“

Predigt zu Lukas 24,44-53

Pastor Frank Mühring           Himmelfahrt, 14.5.2015

Dann sagte Jesus zu seinen Jüngerinnen und Jüngern: „Nun ist in Erfüllung gegangen, wovon ich sprach, als ich noch bei euch war; ich sagte: ›Alles, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben ist, muss sich erfüllen.‹“ Und er öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift, sodass sie sie verstehen konnten, und sagte zu ihnen: „So steht es doch in der Schrift: Der Messias muss leiden und sterben, und drei Tage danach wird er von den Toten auferstehen. Und in seinem Namen sollen alle Völker zur Umkehr aufgerufen werden, damit sie Vergebung ihrer Sünden empfangen. In Jerusalem soll damit begonnen werden. Ihr seid Zeuginnen und Zeugen für das alles. Ich aber werde die Kraft aus der Höhe auf euch herab senden, wie mein Vater es versprochen hat. Bleibt hier in der Stadt, bis ihr damit ausgerüstet werdet.“

Jesus führte die Jünger aus der Stadt hinaus bis in die Nähe von Betanien. Dort erhob er die Hände, um sie zu segnen.  Und während er sie segnete, wurde er von ihnen weggenommen und zum Himmel emporgehoben. Die Jünger warfen sich nieder und beteten ihn an. Dann kehrten sie nach Jerusalem zurück, von großer Freude erfüllt. Und sie waren von da an ständig im Tempel und priesen Gott. (Lukas 24, 44-53 nach der neuen Genfer Übersetzung)

Liebe Gemeinde,

 

Wind Nord/Ost Startbahn null drei,

Bis hier hör‘ ich die Motoren.

Wie ein Pfeil zieht sie vorbei,

Und es dröhnt in meinen Ohren,

Und der nasse Asphalt bebt.

Wie ein Schleier staubt der Regen,

Bis sie abhebt und sie schwebt

Der Sonne entgegen.

 

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.

Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man,

Blieben darunter verborgen und dann

Würde, was uns groß und wichtig erscheint,

Plötzlich nichtig und klein.

 

Jeder kennt dieses Lied: „Über den Wolken“ von Reinhard Mey. Der Liedermacher ist Hobbypilot. Er träumt davon, wie es ist, einmal abzuheben und zu schweben. Die übliche Schwerkraft hinter sich zu lassen. Ich bin in der Bremer Neustadt aufgewachsen. Von unserem Dach aus konnte man die Flugzeuge starten sehen. Als Kind bin ich oft am Wochenende zum Flughafen gefahren, habe die Flugzeuge fotografiert und ihre Starts und Landungen im Notizbuch fest gehalten. Und oftmals habe ich, der am liebsten mitfliegen wollte, den fremden Reisenden hinterher gewinkt 

 

Für diese Lust am „Flugzeug anschauen“ gibt es Gründe. Zum einen ist da die Faszination für die Technik. Tonnenschwere Maschinen lösen sich vom Boden und schweben scheinbar schwerelos in die Lüfte. Faszinierend, wenn die Schwerkraft bezwungen wird. Zum anderen das Fernweh. Was wäre es schön, einmal alles hinter sich lassen, was zu Boden drückt. Vielleicht schaute ich den Flugzeugen nach, weil ich mich nach einem Stück „Himmel“ sehnte.  Das Fliegen über den Wolken als Bild dafür, dass sich unsere Perspektive auf die Dinge ändern kann. Plötzlich gibt es keine Grenzen mehr, die uns einengen. Wir sind frei. Ängste und Sorgen sind weggeblasen. Alles, was sich im Alltag übergroß und wichtig macht, verliert an Bedeutung. Der Glaube fängt an, Flügel zu bekommen. Die Bibel kennt diesen Perspektivwechsel. Was passiert, wenn wir den Himmel betreten und alle irdische Schwerkraft aufgehoben ist?  „(...) Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; (...).“ Freiheit von allem, was uns niederdrückt. Der Himmel als Ort, wo alles heil wird, wo alles gut wird.

 

*

Das Lukasevangelium erzählt auch von einer Himmelfahrt. Jesus führte die Jünger aus der Stadt hinaus bis in die Nähe von Betanien. Dort erhob er die Hände, um sie zu segnen.  Und während er sie segnete, wurde er von ihnen weggenommen und zum Himmel emporgehoben. Die Jünger warfen sich nieder und beteten ihn an.

Wie soll man sich das vorstellen? Die Jünger Jesu selbst könnten wie Reinhard Mey im Blick auf Jesus, der zum Himmel steigt, gedichtet haben:

 

Ich seh‘ ihm noch lange nach,

Seh‘ ihn die Wolken erklimmen,

Bis sein Lichtglanz nach und nach

Ganz im Regengrau verschwindet.

Meine Augen haben schon

Jenen winz‘gen Punkt verloren.                                                                                       Nur von fern klingt immerzu

sein Wort in meinen Ohren.

 

Diese Szene hat etwas Geheimnisvolles, Unergründliches. Jesus war tot. Seit 40 Tagen ist er wieder lebendig unter seinen Jüngern. Unfassbar: Der, der tot war, ist auferstanden. Und an diesem Tag redet Jesus wie so oft zu den Jüngern. Er segnet sie wie zum Abschied. Plötzlich berühren seine Füße den Boden nicht mehr. Sein Körper wird durch eine unsichtbare Kraft in die Luft gehoben. Er wird den Blicken der Jünger entzogen und verschwindet in einer Wolke. Eine unbegreifliche Szene! Können wir diese Himmelfahrt überhaupt glauben?

Himmelfahrt im Sinne des Lukasevangeliums heißt: Lieber Mensch, der Himmel ist nicht Lichtjahre fern. Er ist dir näher, als du denkst. Unsere Welt ist nicht nur das, was wir sehen und begreifen können. Die Schwerkraft der Sorgen, der Ängste davor, dass unser Leben sinnlos verrinnt, der Probleme des Überlebens auf diesem Planeten, die Konflikte, die Überbevölkerung, der Hunger, all das muss uns nicht zu Boden drücken. Im Blick auf Jesus kannst du Freiheit gewinnen. Sein Tod hat die Verhältnisse zum Fliegen gebracht. Seit Jesus vom Himmel auf die Erde kam, ist die Pforte zum Himmel wieder offen.

Darin liegt für mich die Pointe der Himmelfahrtgeschichte. Die Schwerkraft wird aufgehoben. Die so mächtige Erdanziehungskraft, die Physiker G (nach dem Wort „Geo“, Erde) nennen, wird im Glauben und in der Hoffnung aufgehoben. Wenn wir auf Jesus blicken, lernen wir das hoffen, das Glauben und Liebe neu. Simone Weil hat es einmal so formuliert: „Unsere größte Sünde (ist): Gehorsam gegenüber der Schwerkraft!“ Die Schwerkraft, dass wir denken: Es war immer so, es wird sich nichts ändern. Wahlbeobachter sagen, der Grund, warum in Bremen nur jeder zweite zur Wahl gegangen ist, sei der Glaube der Menschen, es würde sich sowieso nichts ändern. Die Himmelfahrtsgeschichte widerspricht diesem denken vehement. Du kannst frei werden, von all dem, was dich niederdrückt und fesselt. Du kannst deinen Blick frei erheben. Glaube ist Ungehorsam gegen dem üblichen Denken: Nichts wird sich ändern. Glaube macht ein neues Denken möglich.

 *

 Das Gegenteil vom Himmel nennt man die Hölle. Doch sie ist nicht an mythisch aufgeladener Ort, wo rote Teufel einen glühenden Rost bedienen. Hölle ist der Verlust jeder Hoffnung. Hölle ist der Moment, wo ich mich ins eigene Ich verschließe. Hölle ist das „Nur-selbst-sein-wollen“. Wo ich nichts mehr hoffe für andere Menschen. Der Himmel dagegen ist vom Wesen her das Gegenteil. Das nicht Selbstgemachte, das nicht Machbare. Der Himmel kann als grenzenlose Liebe und Freiheit uns Menschen immer nur geschenkt werden. „Ich bin der Weg“, hatte Jesus angekündigt und weist uns nun durch den Himmel den letzten Weg zum Vater. Jesu ist der Mittler zwischen Erde und Himmel, zwischen Mensch und Gott. Damit aber ist der Himmel nicht nur etwas Jenseitiges, sondern ein durchlässiges Medium, das für jeden Menschen bereits in diesem Leben zugänglich ist. Himmelfahrt redet vom Glauben, der zum Fluegen kommt.

Glaube lässt uns mehr erwarten, als unsere Augen sehen können. Glaube lässt uns auch mal abheben, wenn die Schwerkraft der düsteren Gedanken uns zu sehr zusetzt. Himmelfahrt heißt: Wenn dich Sorgen bedrängen und ängstigen, schau nach oben! Der Blick nach oben bewahrt uns davor, zu klein zu denken von Gott und den Menschen. Es gilt der Versuchung zu wehren, das, was uns umgibt, schon für das Ganze zu halten. Von Gott her gibt es mehr, als wir im Alltag sehen könnten. Wo viele so ausschließlich in diese Erde und in sich selbst verliebt seien, wissen Christen wissen um den Himmel und sie halten sich und anderen den Himmel offen halten.

Jesus macht seine Jünger zu seinen Stellvertretern. Er segnet sie mit seiner göttlichen Kraft. Er macht uns zu Zeugen für das Leben gegen den Tod. Das heißt: Keinen Menschen aufgeben. Nicht an den endgültigen Sieg des Bösen in einem Menschen glauben. Darauf vertrauen, dass ein Mensch neu werden kann. Eine neue Chance geben. Nicht nachtragen, nicht nachrechnen, sich nicht abwenden, sondern vergeben und geduldig warten auf die Versöhnung, die stärker ist als die Zwietracht und das verbitterte Schweigen.

„Ich wär gern mitgeflogen“ – so endet das Lied von Reinhard Mey. Himmelfahrt ist eine Einladung an uns, das Flugzeug des Glaubens mutig zu besteigen. Mitzufliegen. Die Welt von oben anzusehen. Freiheit zu spüren.

Amen.

 

 

 


„Geh weiter mit Hoffnung im Herzen“

Konfirmationspredigt zu Matthäus 18,20

Pastor Frank Mühring        Bremen, 3. Mai 2015

Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.    Matthäus 18,20

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,

„..Wenn du durch einen Sturm wanderst, behalte deinen Kopf oben und fürchte dich nicht vor der Dunkelheit. Geh weiter mit Hoffnung im Herzen und du wirst niemals allein gehen. You'll never walk alone.“ Ein berühmtes Lied, das nach einen Psalm aus der Bibel klingt. Elvis hat es gesungen, die Gruppe „Gerry and the Pacemakers“ aus Liverpool auch. Beim FC Liverpool ist diese Melodie weltberühmt geworden. Die Legende erzählt, dass vor einem Spiel die Soundanlage des Stadions an der Anfield Road ausfiel, während das Lied vom Band lief. Der Fan-Block intonierte das Lied daraufhin selbst, a capella. Die Fans sangen selbst, obwohl die Musik stoppte. Sie ließen sich tragen von der unbeirrbaren Hoffnung, die das Lied transportiert: „..Wenn du durch einen Sturm wanderst, behalte deinen Kopf oben und fürchte dich nicht vor der Dunkelheit. Geh weiter mit Hoffnung im Herzen und du wirst niemals allein gehen. You'll never walk alone.“

Weitersingen, auch wenn die Melodie vom Band schweigt. Das war der magische Moment beim Fußball in Liverpool. Für mich ein Gleichnis für das, was nach eurer Konfirmation kommt. Es kommt darauf an, weiterzumachen. Konfirmation ist nicht das Ende. Konfirmation heißt Ermutigung, der eigenen Weg als Christ in dieser Welt zu gehen. Sich zu Jesus zu bekennen, wo es nötig ist. Weitere Schritte in der Nachfolge Jesu zu wagen. Mit Hoffnung im Herzen. In dieser Hoffnung immer fester und  gewisser zu werden.  „..Wenn du durch einen Sturm wanderst, behalte deinen Kopf oben und fürchte dich nicht vor der Dunkelheit. Geh weiter mit Hoffnung im Herzen und du wirst niemals allein gehen. You'll never walk alone.“

Das Lied wird seit den 60er Jahren in vielen Fußballstadien gesungen. Es schweißt die Fans zusammen. Die Melodie lädt selbst diejenigen zum Mitsingen ein, die im Fach Musik eher schwächeln. Ich glaube, das liegt an der Botschaft, die eine zutiefst christliche ist: Du brauchst nicht allein zu gehen. Da ist jemand, der dich auf allen deinen Wegen begleitet, auch wenn du diese Wege manchmal nicht gleich verstehst und zweifelst. Für uns Christen ist das Jesus Christus. Er hat einmal gesagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. So hat er die Seinen darauf vorbereitet, weiter zu machen. Du bist nicht allein als Christ unterwegs. Zu den Gottesdiensten am Sonntag gehen in Deutschland insgesamt immer noch mehr Menschen als zu den Spielen der Bundesliga am Sonnabend. Du gehst nicht allein, weil Jesus Christus dir zur Seite steht. Das stellt keinen Garantieschein dar für ein gelingendes, erfolgreiches Leben. Aber der Glaube ist eine Kraft in ausweglosen Situationen niemals aufzugeben.

*

Geh weiter mit Hoffnung im Herzen und du wirst niemals allein gehen. You'll never walk alone.“ Mich regt dieses Lied zum Nachdenken über die Hoffnung an. Was wären wir Menschen ohne Hoffnung? Ohne Hoffnung auf eine bessere Welt? Ohne Hoffnung, dass wir von anderen geliebt werden? Ohne Hoffnung auf Antworten nach dem Woher und dem Wohin unseres Lebens? Ohne Hoffnung auf das ewige Leben? Als konfirmierter, erwachsener Christ bist du mit dafür verantwortlich, das Lied von der Hoffnung weiterzutragen. Sing es leise, sing es verhalten. Sing es laut und schrill, wenn nötig. Aber singe es und trage die Botschaft weiter. Singet, so lautet seit alters her der Name dieses Sonntags. Sing die Melodie weiter! Sei ein Hoffnungsträger in dieser Welt. Pessimisten und Zyniker, die an allem herumnörgeln und alles in den Kakao ziehen, haben wir zuhauf. Böse Menschen haben keine Lieder. Was uns fehlt, sind Sängerinnen und Sänger der Hoffnung.   

Was Hoffnung ist, das hat der frühere tschechische Staatspräsident Vaclav Havel klug beantwortet: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“ Hoffnung schaut nicht auf Erfolge – auch wenn das im Stadion vielleicht anders aussieht. Hoffnung schaut auf das, was Sinn macht. Und dafür braucht man Vorbilder und Leitbilder. Wir Christen folgen den Spuren Jesu. Er hat die Schwachen nicht belächelt, sondern sie ermutigt. Er hat die Kleinen aufgefordert, keine Furcht vor den Großen zu haben. Kranke hat er nicht abgeschrieben, sondern sie geheilt. Härte zeigte er nur dort, wo Gottes Wort verachtet wurde: beim Austreiben der Wechsler aus dem Tempel.    

Der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel sagte einmal in einem Gespräch: „Die Kirche wird diesen Christus nicht loskriegen. Ich finde das so toll, dass sie das nicht kann. Denn seit annähernd 2000 Jahren versucht sie es. Sie weiß, wenn sie ihn loskriegt, gibt es sie nicht mehr. Solange es sie gibt, ist aber der Begründer der Kirche eine ungemeine Belastung.“ Der Christus der Bergpredigt – eine glückliche Last der Kirche und der Christen.

Christen tragen die Hoffnung auf Gott und darum auch auf eine neue, bessere Welt in sich. Denn sie gehören zu Jesus, der durch den Tod gegangen ist und zu neuem Leben auferweckt wurde. Das heißt doch: Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Es ist alles aus. Keinen Tag soll es geben, an dem du dir sagst: Es hat alles keinen Sinn. Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen solltest: Ich bin ganz und gar einsam und verlassen. Jesus Christus ist bei dir. Er ist dir schon vorausgegangen durch den schlimmsten Sturm und den härtesten Wind. Selbst den Tod hat er besiegt. Wie sollte der nicht für dich und für die Menschen auf dieser Welt einen Weg wissen. Sei ein Hoffnungsträger dieser Botschaft! Gott traut es Dir und mir zu. Wir können uns den Luxus einer Hoffnungslosigkeit nicht leisten.

*

Zwei Grundnahrungsmittel der Hoffnung möchte ich Euch mit auf Euren Weg geben. Es sind das Beten und die Gemeinschaft.

Das Beten: Es ist die Stelle, wo man Kraft sammelt für den Weg durch den Wind und den Regen. Wenn du mal wieder an der Widersprüchlichkeit der Welt zu zerbrechen drohst. Das Beten ist die Stelle, an der man weiter springt, als man als Mensch springen kann. Nämlich über den eigenen Schatten. Dort preist man Gott für seine Güte und Treue, selbst wenn wir im Leben so Vieler seine Güte vermissen. Dort sagt man noch im Fallen die Worte des Psalms: „Du bist mein Fels, meine Hilfe, mein

Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde“ (Ps. 62). Unser Beten ist angetrieben von einer kecken Hoffnung. Das Beten gräbt uns die Hoffnung in unsere Seelen. Darum kann ich mir eine Kirche, ein geistliches Leben nicht vorstellen, in dem das Gebet leise wird. Das ist keine Flucht in die Innerlichkeit. Wer betet, tankt die Seele auf.

Als zweites Nahrungsmittel der Hoffnung nenne ich die Gemeinschaft. Man kann nicht als Einzelner überleben. Man verhungert, wenn man allein ist. Unser großes Geschenk: wir sind nicht allein. Wir haben eine Kirche. Wir haben unsere Gottesdienste, in denen wir einander die Hoffnung von den Lippen lesen. Ich erzähle eine Geschichte aus der klösterlichen Tradition. Ein Mönch verfiel in eine tiefe seelische Dürre. Er bat seinen Abt, von den Chorgebeten befreit zu werden, weil sein Herz den Worten nicht folgen könne. Der Abt hat ihm nicht erlaubt, dem gemeinsamen Gebet fern zu bleiben. Er hat ihn auch nicht gezwungen mitzubeten, was er nicht beten konnte. Er hat zu ihm gesagt: „Geh hin und schau, wie deine Brüder beten.“ Gemeinschaft ist für uns wichtig. Schon die kleine Gemeinschaft der zwei oder drei echten Freunde, die wir haben. Aber auch die Gemeinschaft der Jugendgruppe, der Pfadfinder, der ganzen Gemeinde. Wir sollen eines Tages nicht allein vor dem Himmelstor stehen. Wir sollen unsere Schwestern und Brüder mitnehmen. Kirche heißt: Leben teilen.

*

Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Jesus sagt schlicht: Ich bin da. Tröstend, heilend, verstehend. Singe sein Lied weiter in dieser Welt. Sorge dafür, dass der Glaube nicht verstummt. Selbst wenn die Musik vom Band ausfällt. Denn du weißt ja: „You’ll never walk alone!“

Amen.

 

 
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