Home
Brem. Evang. Kirche
Meine Gemeinde
Aktuelle Predigt
Ev. Posaunenwerk
Gustav-Adolf-Werk
Termine


Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Wach werden“

Predigt zu Epheser 5,8-14

Pastor Frank Mühring       Bremen, 17.7.2016

Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.      (Epheser 5,8-14)

Liebe Gemeinde,

um das Wachwerden geht es. Im Buddhismus findet sich eine schöne Geschichte dazu. Es wird erzählt, dass der Buddha bald nach seiner Erleuchtung einem Mann auf der Straße begegnete, der von der außergewöhnlichen Ausstrahlung und dem Frieden, der in seiner Präsenz lag, überwältigt war. Der Mann hielt an und fragte: mein Freund, was bist Du? Bist Du ein himmlisches Wesen oder ein Gott? Nein, sagte der Buddha. Bist Du dann eine Art Magier oder Zauberer? fragte der Mann erstaunt weiter. Wieder antwortete der Buddha: Nein. Bist Du ein Mensch? Nein. Nun, mein Freund, was bist Du dann? Der Buddha antwortete: Ich bin wach.

Ich bin wach. Bist du wach? In der Mitte vieler Religionen geht es darum, dass wir Menschen das Wachwerden lernen müssen. Auch im Christentum. Wach sein, das heißt gütig, gerecht und wahrhaftig leben. Das richtige, echte Leben wählen, nicht einem falschen Lebensentwurf hinterherhängen. Aber seltsam: Man kann mit offenen Augen durch das Leben gehen und doch das Wichtigste daran verschlafen. Der Tag beginnt, doch du stehst nicht auf. Die Sonne scheint, doch du gehst nicht raus. Du willst etwas machen, doch du hältst dich zurück. Du willst reden, doch du bleibst stumm. Du hast Ideen, doch du setzt sie nicht um. Du weißt genau, dass du das ändern kannst. Du weißt nur noch nicht, wie und wann. Du denkst, Du hast ja Gott an deiner Seite, alles sei gut. Und doch ändert sich dadurch in deinem Leben nichts Grundlegendes. Du lebst dahin wie eh und je. Mit offenen Augen, aber schlafend.

Karl Barth hat diese Trägheit von uns Menschen Sünde genannt. Wenn du schläfrig und unentschieden durch dein Leben schlurfst, dann ist das Sünde. Der schläfrige Mensch bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Er macht sich kleiner, als er ist. Er vergisst, dass er von Gott wunderbar gemacht ist (Psalm 139,14), dass er wenig niedriger gemacht ist als Gott (Psalm 8,6). Er vergisst, dass er in Gott einen starken Bundespartner hat, der ihm, dem Menschen viel zutraut. Er vergisst schließlich, dass sein Bruder Jesus ihn zu wahrem Leben auferweckt hat. Zu was wäre der Mensch als Bundespartner Gottes und in der Nachfolge Jesu gerade im Kampf gegen Hass, Ungerechtigkeit und Lüge nicht alles in der Lage! Aber gefangen im Bannkreis der Sünde versumpft er und versäumt das Wesentliche. Karl Barth schreibt: Die Sünde hat als Trägheit "die Gestalt des ... bösen Unterlassens .... Sie ist auch die Gegenbewegung zu der Erhebung, die dem Menschen in Jesus Christus von Gott her widerfahren ist." "(Der Mensch als Sünder) ist „ …nicht nur der Prometheus oder Luzifer, sondern … auch ganz einfach ein Faulpelz, ein Siebenschläfer, ein Nichtstuer, ein Bummler" (KD IV, 2, 453 f.).

So ist es. „Die meisten Leute schlafen, ohne es zu wissen. Sie wurden schlafend geboren, sie leben schlafend, sie heiraten im Schlaf, erziehen im Schlaf ihre Kinder und sterben im Schlaf, ohne jemals wach geworden zu sein.“ (Antonio de Mello)

*

 

Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. Der Epheserbrief ist ein großer Weckruf zum Wachwerden. Sich zu öffnen für Gottes Wort. Das Leben nicht im Schlafwagen verbringen.

Schläfer. So nennt die Polizei Männer, die lange Zeit im Verborgenen leben und plötzlich Terror verbreiten. Wie der junge, offenbar geistig verirrte Mann in Nizza, der so viele unschuldige Menschen in den Tod gerissen hat. Wir fühlen mit mit den Opfern und deren Familie. Was hilft gegen solche Schläfer? Vermutlich nichts. Man kann sich nicht allezeit schützen. Wir alle, nicht nur der Staat, müssen wachsam sein, dass böse Gedanken nicht zur Tat werden. Die Saat des Hasses darf nicht mehr wachsen. In der Bibel steht: Habt nicht Gemeinschaft mit den Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.

In Ephesus will ein unbekannter Briefschreiber seine Gemeinde wach machen. Er erinnert sich an die erste große Zeit des Christentums. Als Paulus seine Briefe schrieb und Gemeinden wie Pilze aus dem Boden schossen. Doch die erste Euphorie ist verebbt. Das Feuer des Glaubens scheint erloschen zu sein. Kirche muss sich neu erfinden. Das ist heute so ähnlich. Der Unbekannte von Ephesus erinnert sich an seine Taufe. Wie er zu neuem Leben gerufen wurde. So setzt er sich hin und schreibt einen Brief im Stil des Paulus. Kernig und  zupackend. Eine Anrede, die aufrütteln soll. „Wach auf, du Schläfer – du verpasst etwas, wenn du weiterschläfst. Du verpasst dein Leben, wenn du nicht aufstehst vom Tod. Wach auf und geh mit deinem Leben so um wie ein Kind, das sich geborgen und geliebt weiß! Da draußen scheint eine Sonne für dich. Ein Licht, das dein Leben hell macht, und dieses Licht heißt Christus.“ Wach werden auf diese Art ist eine kleine Auferstehung: „Wach auf, du Schläfer, steh auf von den Toten!“ Menschen, die wie tot sind mitten in ihrem Leben – tot für die Liebe, verbittert statt voller Hoffnung, ohne Vertrauen in Gott oder die Menschen – für sie wird Christus das Licht sein.

Gott erleuchtet. Gott stellt uns ins Licht. Er holt Menschen aus der Finsternis. Er sucht uns. Gott sucht Menschen, um in ihnen zu wohnen. Nicht in Tempeln, Kirchen und Moscheen, sondern in Menschen. Nicht zu glauben! Nach Jesus ist jeder Mensch Lichtträger. Jeder Mensch ist Haus, ist Gottes Tempel. Träger des Geistes. Darum suche den Ewigen auch in dem Licht, das in dir ist. Geh den Weg nach innen.

 *

Wachsam sein. Das bedeutet nicht, 24 Stunden am Tag die Augen offen zu halten. Das meint der Epheserbrief nicht. Ich bin wach – das meint ja nicht, dass wir den ganzen Tag mit aufgerissenen Augen die Welt verbessern sollen. Oder im Gebet Tag und Nacht Wunschlisten an den Allerhöchsten verfassen. Wachsamkeit heißt: so zu leben, dass du im Kontakt mit Gott bleibst. Dass du dich in sein Licht stellst. Dass du Mensch bist. Gütig und gerecht. Wahrhaftig und wachsam. In seinem Licht leben – betend, suchend, fragend.

Und wer dann wach geworden ist, bekommt von Gott eine Aufgabe.  Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich.  

Das scheint mir ein guter Gradmesser dafür zu sein, ob Gott uns wirklich wach gemacht hast. Wenn du ein neues Ziel für dich im gefunden hast. Eine Aufgabe, ein Projekt. Etwas, was dich antreibt. Was immer auch Gott von dir will: Es ist sehr wahrscheinlich, dass es dir nicht gleich in deinen Kram passt. Aber dann kannst du sicher sein, es ist Gottes Wort. Unsere Bibel oder jedes andere heilige Buch sind keine sanfte Selbstbestätigung. Wenn wir darin lesen und uns bestätigt fühlen und uns nichts aufstößt, dann sollten wir nochmal nachschauen. Nochmal lesen, ob dort nicht mehr steht, ein Anspruch an uns, der uns beunruhigt. Heilig halten wir diese alten Texte, wenn wir uns von ihnen in Frage stellen, herausfordern lassen, nicht wenn wir sie als Siegel unserer eigenen Meinung vor uns her tragen.

Der Unbekannte, der im Namen des Paulus spricht, will müde Fromme munter machen. Er will, dass Christus wie eine Sonne über ihnen aufgeht und sie das neue Leben ausstrahlen das Christus ihnen geschenkt hat: Ein Leben voller Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten!“

Der Unbekannte spricht den Umgang mit der Zeit an. Jeder von uns hat gleich viel Zeit: Wertvolle 24 Stunden jeden Tag. Die Frage ist: „Was machst du den ganzen Tag? Wie gehst du mit deiner Zeit um?“ Ebenfalls im Epheserbrief stoßen wir auf die erstaunliche Aussage: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ (Epheser 2,10) Das heißt: Gott hat ja Tag für Tag alles schon vorbereitet. Er hat gute Ideen für unser Leben. Er hat für den heutigen Tag bereits einen Tagesplan erstellt. Und es geht darum, dass wir das wissen und die Herausforderungen annehmen, in die Gott uns heute stellt. Wir dagegen lassen uns oft treiben und bestimmen von der „bösen Zeit“, von dem, was uns vorwärts treibt, umtreibt und mitreißt.

Wir müssen das Richtige zur richtigen Zeit tun und das Wichtige dem Unwichtigen vorziehen. Konzentriere dich auf das Richtige und auf das Wichtige! Dem Mystiker Meister Eckhardt wird das Wort zugeschrieben: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der mir gerade gegenübersteht. Das wichtigste Werk ist immer die Liebe“.

„Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“

Amen.

 

 
Willkommen beim Portal für modernes Predigen | frank.muehring@t-online.de