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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Dankeschön für eine Sternstunde des Glaubens“

Predigt zu Matthäus 2,1-12 am 2. Sonntag nach Epiphanias

Pastor Frank Mühring     Bremen, 14.1.2018

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1):“Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“ Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.    (Matthäus 2,1-12)

Liebe Gemeinde!

Meine Predigt ist ein Dankeschön an drei unbekannte Männer. An drei mutige Menschen, die uns an eine Sternstunde des Glaubens erinnern. An eine ganz ungewöhnliche Suche nach Gott. Danke, liebe unbekannte Freunde, für euren Mut, einem Stern am Himmel zu folgen. Danke, dass ihr euch in ein Abenteuer mit weitreichenden Folgen gestürzt habt! Sicher wisst gar nicht, was ihr mit eurer Reise nach Bethlehem alles ausgelöst habt. Mitbringsel aus Anlass der Geburt des Heilandes verschenken. Wusstet ihr, dass dies zur Weihnachtszeit  mittlerweile in alle Welt Brauch ist? Ihr habt den Glauben auf die Füße gestellt, habt euch auf die Socken gemacht und seid die ersten Pilger gewesen. Heute sind tausende Pilgernde unterwegs auf dem Jakobsweg, um Gott oder sich selbst zu finden. Viele Kinder kleiden sich in diesem Januar wie ihr und sammeln durch ihr Singen Gaben für Bedürftige. Deswegen ist es Zeit für großen Applaus für Caspar, Melchior und Balthasar!

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Caspar, Melchior und Balthasar. Da zögere ich als Theologe schon! Sind das wirklich eure Namen? Der Evangelist kennt sie so noch nicht. Die Kirche hat euch erst später so benannt. Sicher lauteten eure Namen ganz anders. Weise aus dem Morgenland, so hat unser Martin Luther übersetzt. Vielleicht trugt ihr Namen wie Mustafa, Kassem oder Abeldkarim. Wie die jungen Geflüchteten, die heute zu uns aus dem Irak, aus Syrien oder Afghanistan kommen und ein neues Leben suchen. Wofür ich mich bedanken möchte ist, dass mit euch Dreien ein Hauch Internationalität in die Kirche eingezogen ist. Farbenfrohe, exotische Gewänder werdet ihr getragen haben. Ihr steht für die drei damals bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien. Kirche, lerne ich durch euch, darf niemals provinziell und miefig sein. Eure Geschichte zeigt, dass wir Weltkirche sind. Und nicht nur eine bürgerliche Gemeinde, die stets um den eigenen Kirchturm kreist. Christen müssen neugierig sein auf andere Menschen aus fernen Ländern. Wir ziehen keine Mauern hoch, schon gar nicht vor Leuten aus ärmeren Regionen. Ihr habt bei uns für einen frischen Luftzug aus dem Osten! An euch sieht man: Durch Jesu Geburt gerät die ganze Welt in Bewegung. Dafür stehen der Europäer Melchior, der Orientale Balthasar und der dunkelhäutige Afrikaner Caspar. Ihr steht symbolisch für viele andere. Für Menschen aus aller Welt, die durch den Glauben auf eine Reise gehen.

Danke besonders dafür, dass ihr ein Stück Wissenschaft in den Glauben habt einziehen lassen. So sehr wir zu Weihnachten die Romantik der armen Hirten von Bethlehem pflegen: Ohne euren Mut, eure Erkenntnisse von dem aufgehenden Stern zu überprüfen und loszugehen, wäre die Kunde von Gottes Sohn auf den Feldern von Bethlehem verhallt. Sternenkundige seid ihr gewesen. Über das Universum und seine Schönheit habt ihr gestaunt. Habt unter dem Sternenhimmel Gott, dem Schöpfer aller Welten gedankt. Ihr wart Astronomen, die ihr Fach gut verstanden haben. Zu eurer Zeit gab es noch keinen Gegensatz zwischen Glaube und Wissenschaft. Dank euch Dreien gab und gibt es Brücken zwischen Naturwissenschaft und Glaube. Und auch exakt denkende Wissenschaftler müssen nicht ihren Verstand an der Kirchengarderobe abgeben. Ihr zeigt, dass es auch für nüchterne technische Denker einen Weg zum Glauben gibt. Kirch darf schon allein wegen euch niemals feindliche der Wissenschaft und dem freien Denken gegenüber sein. Danke dafür, dass ihr Gott so beharrlich gesucht habt.  Aufbrechen, dem Stern folgen, zu Gott stehen, auch wenn viele nichts von ihm wissen wollen. Das ist Euch zu verdanken!

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Danken möchte ich Euch für Eure Fragen, die ihr mitgebracht habt. Ohne Forschen, Fragen und exaktes Nachfragen gäbe es keinen wissenschaftlichen Fortschritt. „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Eine klare Frage von Euch, die nach einer Antwort ruft. Wir Heutigen haben andere Fragen. Uns bewegen aber  -wie Euch - Fragen nach dem Leben, nach Glück und nach Sinn. Stell Fragen, such nach eigenen Antworten, forsche und frage! Ein guter Theologe darf nicht auf zu fragen nach Gott, nach dem Sinn, darf sich niemals mit einst gegeben Antworten zufrieden geben. Das schreibt ihr weisen Männer uns in Stammbuch. Mensch, lerne, forsche und frage. Das lerne ich von Euch Dreien.


„Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Gesucht wird kein Neutrum, keine Sache, keine Idee, keine abstrakte Philosophie, sondern eine Person, an die sich die Hoffnung hängt. Das Geheimnis der Botschaft vom Kind aus Bethlehem. Ein Gott, der sich klein machen kann. Der gerade auch den Schwachen und Ohnmächtigen nahe ist. Dafür steht auch das Kreuz, an dem Jesu Lebensweg endete. Krippe und Kreuz, diese beiden sind die Mitte unseres Glaubens
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„Wo ist der neugeborene König der Juden?“ – Doch man kann auch an der falschen Stelle suchen und fragen. Wenn ein Stern am Himmel steht, wird ein Königskind geboren, stand in den Annalen der Weisen. Und die angenommene Adresse war der Palast des Herodes. Ihr suchtet Gott im Glanz und Gloria. Damit seid ihr genauso in die Irre gegangen wie die Menschen, die heute nur an Geld und Reichtum ihr Herz hängen und das ganze Leben mit der Suche danach vertun. In Jerusalem im Palast glänzt und blinkt alles. Aber der vermeintlich große König Herodes ist gar nicht so groß, wie er immer tut. Als er von dem neuen Königssohn, verliert Herodes die Fassung und gerät in Angst und Schrecken. Er fürchtet in seinem verlogenen Leben nichts mehr als die Menschgewordene Wahrheit. Und so ruft er eilig den ganzen Krisenstab zusammen, die Stützen von Thron und Altar, die Sicherheitsberater und Geheimdienstleute, die Großen aus Wirtschaft und Politik. Die wissen auch gleich, was zu tun ist. Alles soll beim Alten belassen werden. Herodes soll König bleiben. Jesus soll aus dem Gedächtnis der Welt verschwinden. Doch der Evangelist Matthäus und seine Leser wissen: Herodes bleibt chancenlos. Seine Macht ist abgelaufen. Er kann noch blind wüten, aber er hält den Lauf der Dinge nicht auf. Die Zukunft gehört einem wehrlosen Kind, in dem Gott ganz und gar da ist.

Wer Jesus und seinem Stern wirklich sucht und gefunden hat, bleibt nicht beim Alten. Wer erlebt, dass Gott ihn leitet, weil der ihn längst gefunden hat, bleibt nicht beim Alten. Bricht vielmehr auf, will neu werden, will auch Kirche erneuern, dass sie lebensdienlich bleibt, will nicht konservieren, was das Leben hindert. Woher denn sonst kommt Menschenfreundlichkeit? Von welchen Wurzeln nährt sie sich? Von welchen Quellen wird sie gespeist?

Das Kind ist das Licht der Völker. Herodes hat es nicht begriffen. Vor wem beugen wir die Knie? Haben wir überhaupt einen Sinn für das Gottesgeheimnis? Anbeten jenseits aller Vereinnahmung, verehren als Wendung des Herzens? Gibt es für uns eine solche Sternstunde? Eine die uns aufbrechen lässt, wie die Weisen aus dem Morgenland - und wie die jungen Pilger aus aller Welt? Die werden nach der Erfahrung von Gemeinschaft heimkehren, hoffentlich fröhlich und nicht frustriert. Und erfüllt vom Vorsatz, noch mehr zu erfahren von der Kraft des Glaubens an Jesus.

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Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land. Für diesen Satz liebe ich euch, ihr drei Könige. Sie zogen auf einem anderen Weg zurück. Euer Besuch an der Krippe hat euch so verändert, dass ihr nicht mehr den gleichen ausgetretenen Pfad zurückgehen könnt. Jesus hat Euch total umgedreht. Ihr seid so mutig, dass ihr mächtigen Männern wie Herodes Widerstand leisten könnt. Ihr traut Euch, neue Wege zu wagen und die alten Pfade zu verlassen. Danke dafür. Kirche darf sich in Eurer Nachfolge nie nur mit dem Üblichen bequemen.

Danke, dass ihr drei Weisen nicht auf Herodes gehört habt! Dass ihr ihm den Gehorsam verweigert habt. Der Stern ist weitergezogen und kam über einem zugigen Stall zum Stehen. Dort, in der Niedrigkeit, kommt Gott zur Welt. Darum lohnt es sich, nicht nur Gott am Himmel zu suchen. Sondern auch mitten unter den Menschen. Dank Euch wird die Kirche neue Weg suchen müssen.

Amen..


 
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