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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

Leben auf Bewährung“

Predigt zu Matthäus 4,1-11

Pastor Frank Mühring            22.2.2015

Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.  (Matthäus 4,1-11)

Liebe Gemeinde,

dem Knast ist Rafaele um ein Haar entkommen – drei Jahre auf Bewährung lautete das Urteil. Rafaele, ein Engelsname. Schon in der Schulzeit ist der Deutsche mit italienischen Wurzeln auf die schiefe Bahn geraten. Die falschen Freunde, die falschen Entscheidungen. Sein Leben war  ihm egal. Rafaele hat Leute bedroht und geschlagen, das Messer saß immer locker in der Tasche. Wieviele Male er andere beraubt hat, weiß er selber nicht mehr. Dazu kamen Drogen. Jetzt sitzt er am Bahnhof Oberneuland und will neu anfangen. Er fährt zum Hauptbahnhof, aber er macht einen großen Bogen um die Szene. Der 19jährige will sein Leben in den Griff bekommen – keine leichte Sache. Mit seiner Bewährungshelferin zusammen will er es schaffen. „Von allein komme ich aus dem Teufelskreis nicht herausgekommen,“ sagt Rafaele. Seine größte Versuchung ist, wieder ins alte Leben zurückzufallen. Aber Rafaele macht sich lang. „Den einfachen und bequemen Weg, sich einfach hängen lassen, den kann und werde ich nicht mehr gehen.“

Was haben Rafaele und Jesus gemeinsam? Der ehemalige Drogensüchtige und der Gottessohn müssen beide kämpfen. Mit sich selbst. Mit den inneren Stimmen, die lautstark locken. Mit der Versuchung, vom richtigen Weg abzukommen.

*

„Und führe mich nicht in Versuchung.“ So beten wir Christen. Das Evangelium des Matthäus aber führt uns vor Augen: Es gibt kein Leben ohne  Versuchungen. Rafaele und Jesus wissen das schon. Wissen wir es? Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Manchmal gibt es Bewährungsproben im Leben, die kommen unerwartet. Das Leben stellt dich mitten hinein. Dahin, wo es schwer ist, da, wo es keinen Spaß macht. Da, wo dein Leben in Gefahr ist. Da musst du manchmal hin. Du blickst dich um und um dich herum ist Wüste. Wüste, das heißt, du bist allein. In der Hitze des Lebens. In deiner Familie herrscht Streit. Dein Partner hat dich belogen. Dein Körper schmerzt und quält dich. Deine Firma macht Verluste und droht mit Entlassungen. All das passiert. Jeder von uns muss irgendwann so etwas erleben. Das biblische Bild dafür ist die Wüste. Du willst dann da heraus. So schnell, wie möglich. Aber das geht nicht so einfach. Leben heißt, sich bewähren. Darum erzählt uns die Bibel von der Versuchung Jesu. Sie will uns Mut machen, wenn das Leben uns auf die Probe stellt. Gott erweist uns die Ehre, uns nicht vor allem zu bewahren, wie es die Glucken unter den Müttern tun, die ihre Kinder in Watte einwickeln. Auch Jesus, der Sohn Gottes musste durch Kämpfe hindurch. Er wird von Gott in die Wüste geführt, damit er sich auf seinen Weg vorbereitet. In der Wüste bereitet sich Neues und Großes vor. Jesus kommt als ein Anderer heraus, als er hineingegangen war. Und auch du, der du von Gott in deine eigene Wüste geführt wirst, wirst daran wachsen. Du wirst wieder heraus kommen, als du hineingegangen bist. Leben, so scheint es, gibt es nur auf Bewährung. Wer sich an Gott hängt, der hat auch zugleich den Versucher am Hals. Wo immer sich lebendiger Glaube zeigt, da wird er auf die Probe gestellt.

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„Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.“ In der Einsamkeit der Wüste kommt der Hunger. Der Magen knurrt und irgendwann kann Jesus an nichts anderes mehr denken als an Brot. „Mach Brot aus diesen Steinen,“ lockt der Versucher. Der Teufel will, dass er den Hunger des Herzens aufgibt für den Hunger des Magens. So will er Jesus von Gott entfremden. Doch Jesus erkennt, dass diese Stimme ihn in die Irre führen wird. Es ist nicht die Stimme, die zu ihm bei der Taufe ausgerufen hat: „Dies ist mein geliebter Sohn.“ Es war nicht die Stimme des Ewigen, der sein Volk einst in der Wüste mit Mann speiste.

An der Versuchungsgeschichte sehen wir: Auch der Teufel hat sein Evangelium. Ist Brot für die Welt nicht eine gute Sache? Hunger entwürdigt doch die Menschen. Wenn aus Steinen Brot wird, dann werden dir die Massen nachlaufen, Jesus. Dann hast du alle Menschen auf deiner Seite. Die Einflüsterung des Teufels klingt verlockend. Er tut so, als wolle er Jesus populär machen. Doch Jesu Reich ist nicht von dieser Welt. Jesus erfüllt nicht alle unsere Wünsche und Träume. Er drängt sich auch nicht mit Guttaten für die Armen auf. Jesus aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Es geht um den Primat Gottes. Es geht darum, Gott als entscheidende Wirklichkeit anzuerkennen. Als Wirklichkeit, ohne die nichts anderes gut sein kann. Da gilt die Regel: Alles auch noch so Gute wird ohne Gott nicht nahrhaft.

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Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels  und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12):  »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben;  und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«

Sieh einmal an, der Teufel kennt die Bibel gut. Und an Psalm 91 scheint er besonderes Gefallen zu finden. Ein Vertrauenspsalm, dass Gott mich niemals verlassen wird. Aber gerade kühner Glaube kann auch zum Ungehorsam verleiten.

Spring doch vom Tempel, lockt der Versucher. Dir als Gottessohn wird nichts passieren. Aber dann werden sich mit einem Schlag viele für dich interessieren. Wieviel Ärger, wieviel Strecke Marsch durch die mühsame Ebene wirst du dann vermeiden können! Jesus wählt einen anderen Weg. Den unbequemen, harten Weg. Den, der ihn bis zum Tod am Kreuz führt. Jesus bleibt seinem Gott gehorsam. Er benutzt seine Macht nicht zur eigenen Selbstdarstellung. Er verteidigt seine Gottessohnschaft, indem er sein Menschsein verteidigt. Auch am Kreuz werden ihm die Menschen zurufen: „Steig doch herab!“ Nein, Jesus bleibt ganz Mensch. Er bleibt bei uns. Er wählt bewusst den unteren Weg, auf dem das Kreuz steht. So bricht er die Macht des Versuchers. Es wird keinen Ort und keine Dunkelheit geben, in der Jesus nicht war. Es ist wohl eines der größten Irrtümer von uns Christen, dass wir meinen, die Menschen, die immer siegen und gewinnen, wären besonders von Gott begünstigt. Als könnte man Gottesnähe an Siegen ablesen. Wenn du der Sohn Gottes bist, wird dir nichts geschehen, sagt der Versucher. Alle deine Stürze werden aufgefangen sein im Schoß der Engel. Welch ein Irrtum! Diesem Sohn der Gnade ist keine Niederlage erspart geblieben. Man kann die Menschen verstehen. Es ist der Ruf nach der eigenen Rettung. Wie sollen wir entkommen, wenn schon der Gesegnete nicht entkommen ist? Die Engel haben Christus getröstet, aber nicht gerettet. Siege sind kein Zeichen von Gotteskindschaft. Jesus ist auch auf der Seite von Verlierern wie Rafaele.

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 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.

Die klassische Versuchung. Selbst die Reklame für Bier macht sich dies zunutze. Heute in König. Wie Gott sein. Allmächtig, unbesiegbar. Wer soll herrschen? Gott, dem es gefällt im Kind in der Krippe und am harten Holz des Kreuzes zu sein? Oder wir mit unseren Methoden, Erkenntnissen, Tricks, Events und Aktionen? Mir scheint, als würde der russische Präsident Putin auch derzeit von dieser Versuchung gequält werden. Wenn aber der Teufel gibt, dann nimmt er auch. Denn er nimmt uns Gott. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Versuchung rührt immer an die Berufung unseres Lebens. Es geht nicht einfach um eine Art von moralischer Reinheit. Wie will ich eigentlich leben? Wer will ich sein als Mensch in dieser Welt. Es geht um die Gefahr, die Berufung meines Lebens zu verlieren oder sie zu missbrauchen.  Am Vorbild Jesu lernen wir, dass er Gottes gewiss war. Der Jesuit Pater Alfred Delp fasste dies so zusammen: „Brot ist wichtig, Freiheit ist wichtiger, am wichtigsten aber ist die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung.“ Wir Menschen sind stark, wenn wir ihn machen lassen, wie er es will. Bescheidenheit. Geringe Macht. Gehorsam. Das haben wir von ihm anzunehmen.

So wie Jesus damals würde ich auch gerne meine Bewährungsproben bestehen, die mir das Leben so stellt. Mich so souverän und tapfer den Versuchungen stellen, die mir den lieben langen Tag begegnen. Mich mit ihnen auseinandersetzen, ihnen nicht feige aus dem Weg gehen. Ich würde gerne mehr Zivilcourage haben, wenn es nötig ist. Mir auch mal den Mund verbrennen und mich unbeliebt machen, dafür aber meine Meinung klar vertreten. Ich wünsche mir mehr Mut, auch mal „Nein“ zu sagen – auch wenn mich dann ein paar Leute nicht mehr leiden mögen. Ich möchte nicht aufgeben, auch wenn alles nach kapitulieren aussieht. Ich möchte trotzig weiter glauben, auch dann, wenn fast keine Hoffnung mehr besteht. Das sind die Bewährungsproben, denen ich in meinem Leben begegne. Nicht allen auf einmal – Gott sei Dank!, Aber immer wieder mal. Und dann, wenn es wieder so weit ist,
und ich tapfer und mutig sein muss, denke ich an Jesus. Er ist Vorbild für mich. Er hat sich bewährt.

„Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.“

Amen.

 

 

 

 
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