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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Darum werden wir nicht müde“

Predigt zu 2. Korinther 4,13-16

Pastor Frank Mühring       Bremen, 22.4.2018

Paulus schreibt. „Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, wie geschrieben steht (Psalm 116,10): »Ich glaube, darum rede ich«, so glauben wir auch, darum reden wir auch; denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch. Denn es geschieht alles um euretwillen, auf dass die Gnade durch viele wachse und so die Danksagung noch reicher werde zur Ehre Gottes. 

Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. “ 2. Korinther 4,13-16

 

Liebe Gemeinde,

„frisches Wasser aus der Quelle brauche ich, nichts anderes,“ sagt der Pfarrer aus dem südlichen Bayern. Er erzählt mir von sich. Immer, wenn in seiner Kirche eine Taufe ansteht, schnürt er morgens um sechs seine Wanderstiefel. Steigt hinauf über steiles Gelände den Pass entlang bis hin zu einer Felspalte hoch oben auf dem Berg. Klares, kühles, frisches Wasser quillt dort hervor. Er reibt sich Gesicht und Hände ein und füllt einen Liter Quellwasser in seine Glasflasche. Dann geht es wieder zurück ins Tal. Er strengt sich enorm an für dieses klare, reine Wasser. Ein Stunde hin, eine zurück. Warum machen Sie das, habe ich ihn gefragt.  „Natürlich kann man auch Leitungswasser für die Taufe nehmen. Das ist gereinigt und sauber und schmeckt. Aber für die Taufe brauche ich etwas anderes. Frisches Quellwasser, nichts anderes. Genauso muss auch unser Glaube sein, frisch und rein. Das vertreibt alle Glaubensmüdigkeit!“  Wie frisches Wasser am Morgen. So muss unser Glaube sein. Eine tiefe Erfrischung für die Seele. 

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Der Heilige Geist ist ein Frischmacher. Paulus schreibt seiner Gemeinde in Korinth. Ihr habt diesen Geist. Ihr! Du hast ihn, ich auch. Wir alle haben ihn. Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben … Paulus meint damit den Heiligen Geist, der in der Taufe über uns ausgegossen wird. Wir haben uns daran gewöhnt, unter „Geist“ eher etwas Vornehmes, Dezentes, nicht unmittelbar Wahrnehmbares zu verstehen: Intellekt, Verstand, die Fähigkeit, brillant zu denken. Ganz anders die Bibel: Hier erscheint Gottes Geist als stürmisch wehender Wind, als loderndes Feuer, fließendes Wasser. Bewegung. Energie. Schöpferkraft. Der spürbare Gegensatz von Trägheit und Tod.Feuer du und Tröster-Geist“ – sang schon Hildegard von Bingen im zwölften Jahrhundert - „du belebst die Gebilde, du salbst die Verletzten, du reinigst die Wunden, du bringst Menschen voll Einsicht hervor.“

Wer vom Geist berührt wird. wird wachgeküsst. Was müde ist, macht er munter. Was abgestanden und fad schmeckt, macht der Geist wieder frisch. Selbst das schönste und beste Leben schmeckt mal fad und schal. Und auch auf einem gesegneten und guten Lebensweg wird man mal matt. Gottes Geist rüttelt Dich wach und sagt Dir: steh auf. Gott hat noch unendlich viel mit Dir vor!

Der Heilige Geist ist ein Erneuerer. Er macht wieder fröhlich, auch wenn man manchmal keine Lust mehr hat. Was der Wind für den Segler ist, ist der Heilige Geist für den Christen. Ohne Wind kannst Du Dich ins Boot setzen, du kannst auf dem See herumpaddeln, du kannst mit viel Mühe sogar ans Ziel kommen, wenn es nicht zu weit weg ist. Aber erst durch den Wind fühlst Du Dich getragen und gelangst in Fahrt und kommst dahin, was du eben noch für unmöglich gehalten hast. Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Der Heilige Geist wischt den inneren Staub von der Seele. Er verändert Menschen von „buten un binnen.“ Paulus, ein einfacher Zeltmacher, wird zum Mitbegründer des Christentums in Europa. Martin Luther, ein einfacher Mönch aus Wittenberg fernab der großen Metropolen, fordert von Kaiser und Papst heraus. Er sucht nach einem Glauben, der ehrlich und authentisch ist. Beide, Paulus wie Luther, sind Getriebene. Derselbe Geist, der sie trieb, treibt auch uns hier und heute.

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Der Heilige Geist ist ein Frischmacher. „Ich bin gewaltig abgemattet,“ klagt der 35-jährige Mönch Martin Luther heute vor genau 500 Jahren in einem Brief an seinen Beichtvater. Luther hatte im April 1518 mit zwei Mitbrüdern einen Gewaltmarsch unternommen. Von Wittenberg in die Universitätsstadt Heidelberg.  Ein weiter, gefährlicher Weg. Durch die Finsternis des Thrüinger Waldes, über die Ödnis des Sattelpasses bis zu den Schlaglöchern der alten Heerstraße nach Würzburg. Fast 500 Kilometer in dreizehn Tagen musste Martin Luther gehen, mit schlichten Sandalen an den Füßen. In Heidelberg soll er zum ersten Mal öffentlich reden. Seine 95 Thesen verteidigen in einer Disputation.

Am 21. April spät abends rumpelte sein Pferdewagen durch das Heidleberger Obertor. Luther ist todmüde von der Reise und findet kaum Schlaf. Am nächsten Tag tritt er auf vor der Creme de la Creme der Wissenschaft. Internationales Publikum  hört Luther zu. Dort sagt Luther Sätze, die die Menschen so noch nicht gehört hatten. Worte, die aufhorchen lassen nach frischem Wasser schmecken. Bisher galt: Streng dich an, Mönch, Nonne, Bürger, dann kannst du gewiss aus eigener Kraft zu Gott gelangen. Luther sagt: Niemals kommt der Mensch zu Gott. Gott kommt zu uns, so wird ein Schuh daraus. „Die Werke des Menschen, wie schön und wie gut sie erscheinen, sind  Todsünden.“ (Martin Luther, Lateinisch-deutsche Studienausgabe, Band 1, S.37 u.a. ) Ein kalter Guss für die alten Theologen und ihre Orden. Der kleine Mönch Luther wagt auszusprechen, dass uns alles fromme Getue nichts hilft. „Die Liebe Gottes findet das für sie Liebenswerte nicht vor, sondern erschafft es.“ Unerhört! Da stellt sich einer hin und sagt: All die Klöster und Stiftungen bringen nichts. Um Christi willen bist du, Mensch, von Gott geliebt. Gottes frische, unverfälschte Liebe formt dich um. Sie  macht dich zu einem Gerechten. Der todmüde Luther hat eine frische, aufrüttelnde Botschaft im Gepäck. Gott liebt dich, noch bevor du dein erstes Werk getan hast. Seit Beginn der Welt kennt er dich. Schau auf das Kreuz, da siehst Du eine Liebe, die sich ganz tief herab beugt zu dir. Diese Liebe kann selbst Tote auferwecken. Ein Jahr später sind ganz Heidelberg und der Kraichgau evangelisch. Wirkungen des Geistes.

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Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Paulus schreibt das seinen jungen Gemeinden zum Trost. Kein Zeit, müde zu werden. Gründe genug, todmüde zu sein, hätte Paulus zuhauf. Sein Leben quillt über vor Aufgaben. Korinth, Ephesus, Philippi. Überall entstehen neue christliche Zellen. Aber die Gegenkräfte sind stark. Mitten in der Gemeinde stellt man Paulus an den Pranger. Ein schwacher Redner sei er. Begeisterung könne er nicht entfalten. Bekämpft wird der Apostel von allen Seiten. Er spürt, dass er nicht ewig Zeit hat. Das Alter bedrückt ihn. Lohnt sich das alles, mein Beten, mein Glaube, mein Umherreisen in Sachen Kirche? Ist Glaube an Gott noch relevant für unsere Gesellschaft hier und heute?

Man kann schon müde werden im Glauben an Gottes Reich. In Syrien tobt ein Krieg, bei dem nur noch Experten wissen, wer sich mit wem anlegt und wer welcher Religionspartei angehört. Da betest Du für den Frieden, demonstrierst für Abrüstung, aber nichts wird besser. Das macht müde. Da setzt Du Dich ein für Frieden und Verständigung, hoffst auf Versöhnung zwischen den Feinden. Und dann wird in Berlin ein junger Israeli tätlich angegriffen, weil er eine Kippa trägt. Keine 5 Minuten trug er sie auf einer belebten Straße, da wird er von einem fanatischen Israelgegner mit einem Gürtel geschlagen. Der Frieden, den wir von Gott für diese Welt erhoffen, ist so brüchig. Das macht matt und müde.

Auch mitten im Zentrum unserer Gemeinde kennen wir solche Glaubenskrisen. Mein Glaube kann mir einschlafen wie ein Murmeltier. Und dann frage ich mich: Wie lebendig ist mein Glaube? Ist er nicht wie tot? Wie leicht werden wir müde und lässig im Beten, im Lesen der Schrift! Wo mir einst der Glaube ein Halt gewesen ist, da verliere ich mich jetzt manchmal. Und dann tritt einer aus unserer Gemeinschaft, der doch eben noch begeistert dabei war. Da begleitest du jemanden in der Seelsorge ganz eng, und du triffst ihn auf der Straße, und er kennt dich nicht mehr. Du singst die alten Lieder aus der Jugendzeit, aber sie wirken und begeistern dich nicht mehr. Das Lebensgefühl ist weg. Manchmal ist das frische Quellwasser des Glaubens zu einer abgestandenen Brühe geworden. Zu einer Pfütze von gestern, aus der niemand mehr trinken möchte. Glaube lässt sich nicht konservieren.

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Wie macht man müde gewordenen Menschen wieder Lust zum Glauben? Wie kommt man zum frischen Ausdruck des Glaubens? Die Church of England musste sich bereits in den 80er Jahren dieser Herausforderung stellen. Konstatiert wurde ein Rückzug des Christentums. Müde gewordener Glauben, die Gemeinden veralteten.  So begann die Kirche von England mit Experimenten zu „neuen Ausdrucksformen gemeindlichen Lebens“, den „fresh expressions of church“. Die Kirche von England sah es als ihre Aufgabe an, jeder Generation das Evangelium neu („afresh“) zu verkünden. Frische Ware müssen wir bieten! In England verließ man die Kirchen und  suchte neue Orte auf. Ein Glaubensgespräch im Pub von nebenan. Oder ein Jugendgottesdienst draußen auf einer Skateranlage, wo sich Jugendliche tummeln. Sogar ein Gottesdienst in einem Tattoostudio war dabei! Echter Glaube macht erfinderisch. Der Heilige Geist triebt uns an neue Orte, setzt uns auf neue Wege.

Diesen fröhlichen machenden Geist haben wir, sagt Paulus. Deswegen bin ich auch sehr zuversichtlich, dass wir in der kommenden Woche den richtigen Pastor oder die passenden Pfarrerin für unsere Gemeinde wählen werden. Der oder die wird es sein, von dem oder der wir den frischen Ton hören, der unsere Seele beführt. Der uns wieder wachrüttelt für das, was Kirche liefern muss. Das Gebet, zündende geistliche Rede. Und das manchmal nötige Schweigen. Empathische Seelsorge und flotten, ansprechenden Unterricht. Das ist nicht nie nur die Leistung des einzelnen Pastors, der Pastorin. Sondern immer auch der Heilige Geist, der ihn antreibt.

Zum Glück schwirrt er immer noch frei herum, der Gottesgeist. Er taucht dort auf, wo man ihn nicht vermutet. Er sorgt für Überraschungen. Er bringt die gewohnten Abläufe durcheinander. Der Heilige Geist ist unberechenbar, wie der große katholische Theologe Karl Rahner bekennt. Er betet: „Komm, du geheimer Jubel in den Tränen der Welt. (…) Komm, du Beistand der Bedrängten. (…) Wir haben nichts, das dich zwingen könnte. Aber darum sind wir zuversichtlich. Unser Herz fürchtet im geheimen, dass du kommst, (…) weil du anders bist als unser Herz.“

Amen.

 
 
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