Home
Brem. Evang. Kirche
Meine Gemeinde
Aktuelle Predigt
Ev. Posaunenwerk
Gustav-Adolf-Werk
Termine


Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Du hast Talent“

Predigt zu Matthäus 25,14-30

Pastor Frank Mühring       Bremen, 2.8.2015

Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Talente Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. Sogleich ging der hin, der fünf Talente empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei Talente empfangen hatte, zwei weitere dazu.  

Der aber eins empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Talente empfangen hatte, und legte weitere fünf Talente dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Talente anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Talente gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Talente empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Talente anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!

Da trat auch herzu, der ein Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg dein Talent in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und ängstlicher Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm das Talent ab und gebt es dem, der zehn Talente hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.   (Matthäus 25,14-30)

Liebe Gemeinde!

Christophe Schuler hat Talent. Er spielt Golf und das gar nicht einmal so schlecht. Der Golfclub Lilienthal ist seine sportliche Heimat. Der Weser-Kurier berichtete kürzlich über ihn. Beim Golfspielen redet man oft vom Handicap. Christophe Schuler hat tatsächlich ein Handycap. Er lebt seit 27 Jahren mit dem Down-Syndrom. Er hat das Glück, einen Verein in der Nähe seines Wohnortes gefunden zu haben, der sich geöffnet hat für Menschen mit Behinderungen. Rollstuhlfahrer und Downies wie Christophe Schuler sind hier herzlich willkommen. Inklusion wird hier mit Leben gefüllt, und das schon seit vielen Jahren. Nicht überall sind sie auf dem grünen Golfrasen herzlich willkommen. Dass Leben geteilt werden muss, auch zwischen Menschen mit und ohne Handicap, ist aber für die Lilienthaler selbstverständlich. Sein Club möchte ihn in Kürze platzreif machen für die „Special Olympics“. Für GC Lilienthal ist klar: Unser Christophe hat Talent.

*

Du hast Talent! Schön, wenn uns das auch durch das Gleichnis von den anvertrauten Talenten gesagt würde. Freilich macht das Gleichnis es uns nicht leicht. Da klingt zuerst einmal die Botschaft uns entgegen: „Verdoppelt, akkumuliert euren Reichtum. Oder wenn ihr das nicht schafft, dann legt euer Geld wenigstens auf das Sparbuch, damit es Zinsen bringt! Sonst kommt ihr nicht ins Himmelreich.“ Wir sollen scheinbar das machen, womit die Zocker an den Börsen vor wenigen Jahren die Weltwirtschaft beinahe in den Abgrund getrieben haben. Wie verhält sich das mit dem Jesus der Bergpredigt verbinden, der die Zukurzgekommenen hochleben lässt? Der denen ein Loblied singt, die sich nach der besseren Gerechtigkeit sehnen? Der die Barmherzigen preist, die doch gerade gegenüber den Langsamen gilt! Hier geht es doch krass ungerecht zu! Der die vielen Talente schon besitzt, bekommt auch das eine des armen ängstlichen Knechts dazu. Als würde man einem behinderten Mann die Teilhabe am Leben verweigern! Kein Wunder, das viele Ausleger durch die Bank vermutet haben: Dieses Gleichnis kann Jesus so nicht gesagt haben. Jesus war doch ganz anders. Das hat ihm eine spätere Zeit in den Mund gelegt!

Noch schwerer wiegt, dass Jesus hier zur Aktivität, zum Arbeiten und Wirtschaften als entscheidendem Beitrag für das Heil der eigenen Seele aufzurufen scheint. Aber dieser Aktivismus ist doch der Tod des Glaubens. Martin Luthers wichtigste Lehre war: Das Heil kommt durch den Glauben und nicht durch Werke. Also nicht Aktivitäten unsererseits! Gut, dass es in der Bibel Gleichnisse wie dieses gibt. Die uns nicht glatt ins Ohr gehen, sondern uns nachhaltig irritieren. Jesus will uns Hörer herausfordern, aus unserer christlich gedämpften Lethargie reißen. Dass wir genau aufmerken, denn es geht um unser Leben.

Denn: Ob dein Leben gelingt oder ob du dein Talent verspielst, hängt davon ab, an welchen Gott du glaubst. Wer ist Gott für dich? Ein grimmiger Herrscher, vor dem man sich fürchten muss? Der uns Druck und Angst macht mit der Reitpeitsche zu Höchstleistungen trimmen will?

*

Hören wir genau hin! Alle drei Knechte im Gleichnis bekommen etwas anvertraut. Es sind verschiedene Gaben. Alle Menschen haben solche Gaben, je verschieden. Auch du und ich. Augen zum sehen, Ohren zum Hören, Zunge und Gaumen zum Schmecken, Hände zum Basteln, Musikalität, Kunstfertigkeit, Intelligenz. Die einen können gut mitfühlen, die anderen gut organisieren, die einen können dichten, die anderen können Wissen speichern, die einen lieben Gemeinschaft, die anderen können gut lustig sein, die einen sind zum Entscheiden geboren, die anderen zum Ausgleichen, und wieder andere zum harten Arbeiten. Es gibt sehr viele verschiedene Gaben. Es kommt darauf an, die eigenen Talente zu entdecken.

Doch eine Gabe gibt es, die größer ist als alle anderen. Die Gabe des Vertrauens. Er vertraute ihnen sein Vermögen an, alles also, was er besaß. Und indem er ihnen alles anvertraute, schenkte er ihnen Vertrauen, darin sich selbst. Der Mann, der auf Reisen ging, ist gar kein grimmiger Despot. Er zunächst der Geber der Gabe, der Vertrauende, der Sich-Anvertrauende. In ihm dürfen wir Gott erkennen, der uns seine Welt anvertraut hat. Dafür tragen wir Verantwortung. Dafür haben wir unsere Talente.

Doch warum nimmt der dritte Mann die Gabe nicht an? Sie ist vermutlich zu gering. Nur ein Talent! Die anderen haben mehr! Ich bin also weniger wert als die anderen. Die Gabe wird abqualifiziert. Das auf den ersten Blick Offensichtliche, nämlich dass er nur ein Talent erhält, ruft das Misstrauen auf den Plan. Der dritte Knecht fühlt sich abgewertet. Das Vertrauen, das in der Gabe mitgegeben ist, wird nicht gesehen. Der Geber selbst nicht wertgeschätzt. Die Reaktion ist: Ein Loch in die Erde graben und das Geld hinein stecken.

Als der Eigentümer zurückkehrt, da sagt der Dritte: „Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg dein Talent in der Erde.“ Furcht ist das Gegenteil von Vertrauen. Am Ende des Gleichnisses heißt es: Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. Zähneknirschen. Eine Mutter erzählte mir von ihrem Sohn, der familiär und schulisch unter Druck stand: Nachts lag er im Bett und knirschte so laut mit den Zähnen, dass es sie im Nebenzimmer aus dem Schlaf weckte.

Zähneknirschen verstehe ich als Bild für Angst. Nur auf den ersten Blick scheint diese Angst etwas Schwächliches zu sein. In Wahrheit aber ist sie sehr mächtig. Gegen Angst ist auch „der Herr“ machtlos. Die Angst baut sich ein Bild von Gott: Ein strenger Mann, ein Buchhalter, ein Seelenschnüffler, ein Despot. Am besten, man geht auf Nummer sicher und riskiert nichts. Wer nichts tut, tut nichts Falsches. Der Herr wird der Angst keinen Fehler nachweisen können. Sie verhält sich überaus korrekt: Sie stiehlt das Talent nicht, sie verschwendet das Talent nicht, sie gräbt es einfach nur ein. Schließlich gibt sie Gott das Talent ganz korrekt zurück.

Diese Sorte von Angst, Misstrauen, ist etwas äußerst hinderlich für den Glauben an Gott. Gott sitzt in der Wahrnehmungsfalle. Sein Vertrauen wird zwischen den Zähnen der Angst zerrieben.

*

Der Lohn für die beiden ersten Knechte besteht darin, dass sie noch mehr Vertrauen geschenkt bekommen. Ist das wirklich ein Lohn? Wer je einmal Vertrauen geschenkt bekommen hat, weiß, was für eine wichtige Entscheidung es ist, ob man es annimmt oder nicht. Vertrauen ist eine Gabe, die aktiv angenommen werden muss - nicht in die Tasche gesteckt werden, nicht im Keller abgelagert werden soll. Indem Vertrauen angenommen wird, wächst es. Vertrauen ist ein dynamisches Gut – so wie die Talente dazu da, vermehrt zu werden. Auch Geld ist nicht einfach ein Gegenstand, den man herumliegen lässt. Geld ist so viel wert, wie man daraus macht. Zu Zeiten Jesu galt eigentlich das Zinsverbot. Umso gewagter, aber auch prägnanter ist das Bild, mit dem Jesus hier aufwecken und anstacheln will: „Macht es mit dem Vertrauen wie mit dem Geld: Vermehrt es!“ Die Menschen beschäftigen sich dauernd mit der Geldvermehrung. Beschäftigt euch mit der Vertrauensvermehrung. Fangen wir damit an! Lasst uns das Anvertraute annehmen und dadurch vermehren! Vertraut, dass Gott mit Euch große Dinge vorhat! So – und nur so beteiligen wir uns dann am Kommen des Reiches Gottes.

Glaube an Gott gibt es nie ohne Risiko. Wer sagt denn, dass es sich lohnt, für die Armen und Schwachen zu sorgen? Wer sagt denn, dass es belohnt wird, dass wir unseren Kindern die frohe Botschaft beibringen? Machen wir sie damit nicht zu Außenseitern in dieser Gesellschaft? Wir wissen nicht, was aus unserem Glauben wird. Ob wir am Ende nach dem Tod bei Gott sind, weiß kein Mensch. Aber eines schreibt uns Jesus ins Stammbuch: Ohne das Vertrauen, dass Gott in dich setzt, ist dein Glaube nur Kleingeld. Trau Gott Großes zu, denn er hat dir große Talente gegeben.


*

Der Golfclub Lilienthal war mutig, als er sich öffnete für behinderte Menschen. Viele Golfer drohten damit, dass sie sich zurückziehen würden, wenn sie regelmäßig Menschen mit Downsyndrom auf dem Golfparcour sehen würden. Doch der Mut der Führung wurde belohnt. Der Club floriert. Die, die Golf nur als Methode zum Angeben betrachten, sind in anderen Clubs. Und Christophe Schuler, der Downie, liebt seinen Sport so sehr, dass man ihn zum Greenkeeper gemacht hat. Es hat sich gelohnt, zu glauben, dass behinderte Menschen auch Talente haben. Es hat sich gelohnt, zu glauben und zu vertrauen.

Amen.  


 
Willkommen beim Portal für modernes Predigen | frank.muehring@t-online.de