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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Anfrage an den Glauben“

Predigt zu Matthäus 12,38-42

Pastor Frank Mühring    Bremen, 12.3.2017

Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu Jesus: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von Dir sehen. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo. 

(Matthäus 12,38-42)

Liebe Gemeinde,

das hat wohl keiner von ihm erwartet. Von dem, der die Liebe in Person ist. Jesus schimpft. Er ist sauer und zetert. Der barmherzige, liebe Heiland kann richtig unfreundlich und abweisend sein! Warum? Sanft und freundlich wird er von einigen Leuten gebeten: „Ach bitte, Jesus! Wir möchten ein Zeichen haben, ob Du wirklich von Gott kommst. Lass den Himmel beglaubigen, damit wir dich recht verstehen können.“ Eine Anfrage an den Glauben. Wer das Christentum wirklich lebt, kennt diese Art Anfragen. Sag mal, lohnt sich das Beten? Glaubst du „in Echt“ an Gott? Ändert das irgendetwas an deinem Leben? Anfragen, die uns in Frage stellen.

Ich denke an einen Mann, der an Krebs erkrankt war. Die Ärzte hatten ihn sanft darauf vorbereitet, dass ihre Kunst am Ende sei. Er aber wollte weiter kämpfen. Und er fragte mich als Seelsorger ganz ernsthaft: „Woher wissen Sie eigentlich, dass das alles stimmt mit Jesus, diesen Heilungen und dem ewigen Leben? Wie können Sie so sicher sein?“ Ich hätte dem Patienten gerne mehr versprochen, um sein Leben aufzuhellen. Doch ich konnte ihm nur antworten: „Wissen tue ich es nicht. Sicher bin ich auch nicht. Aber vertraue Jesus, dass seine Botschaft wahr ist.“

Glaubensanfragen. Wer mit seinem Glauben lebt, wer sich als Christ zu erkennen gibt, muss darauf vorbereitet sein.

*

 „Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen.“ Respektvoll nähern sich die Gelehrten Jesus. Aber statt höflich zu antworten, distanziert Jesus sich klar. Er antwortet den Schriftgelehrten hart und kalt wie Eis: Ihr da, ihr seid ein böses und abtrünniges Geschlecht! Zack, da habt ihr es! - Jesus wütet und schäumt. Die Fragensteller wissen vermutlich nicht recht, wie ihnen geschieht. Was aber macht Jesus so verbittert? Was für ein wunder Punkt ist bei ihm getroffen?

Je schroffer Jesus wird, desto mehr tun mir die Fragenden leid. Schriftgelehrte sind kultivierte, belesene Leute. Sie beschäftigen sich Tag und Nacht mit der Heiligen Schrift und ihren Kommentaren. Pharisäer haben Sinn für Traditionen, pflegen enge Gemeinschaft und sind  tieffromm. Eine theologische Expertenrunde, die offen ist für religiöse Fragen. Jesus sollte eigentlich bei so viel ehrlichem Interesse für das Reden von Gott freudig in die Hände klatschen. Die Leute kommen von selbst zu Jesus und wollen wissen, ob er authentisch und echt ist. Ob er wirklich Gottes Sohn ist oder nur ein Mensch wie andere auch!  Das ist das Gute am christlichen Glauben, dass man ihn befragen kann. Dass er mir nicht wie mit einem Holzhammer über den Kopf gezogen wird. Echter Glaube lässt sich hinterfragen.

Ein Wunder- oder ein Himmelszeichen – ich glaube nicht, dass die klugen Gelehrten das wirklich wollten. Einen Blitz, der vom Himmel zur Erde zischt. Oder ein Erdbeben, das alle erschüttert. Das nicht, aber doch Argumente. Innere Gründe für den Glauben, auch ein bisschen Vernunft. Das Christentum muss doch fürs Denken plausibel sein. „Meister, bitteschön, ein kleines  Zeichen, dass deine Lehre die Richtige für uns ist.“ Ich ertappe mich selbst oft bei dem Gedanken: ein kleiner echter Beweis, dass Glaube wirklich Sinn macht, täte mir gut. Dass ich mich mutiger und sicherer mich bewegen kann im Nebel der Zeit. Nur zu glauben und nicht zu wissen, das ist schwer …

*

Hinter diesem – „Gib uns ein Zeichen!“ - steckt eine tiefe Anfrage an das ganze Christentum: Taugt unser Glaube etwas? Oder ist er nur reines Menschenwerk? Eine Kopfgeburt, ein rein innerlich-menschliches Gedankenspiel? Eine von Menschen erdachte Ideologie, wie es schon so viele gab? Die Rede von Gott ist schließlich oft durch Menschen missbraucht worden. Oder – und das wollen sie wissen - ist der Glaube ein echtes Geschenk von Gott? Ein Stück Ewigkeit in der Zeit? Eine Sache, die mein Leben total umkrempeln kann, weil eben Gott selbst dahinter steht? Zeig doch bitte mal, Jesus, wes Geistes Kind du in Wahrheit bist!

Jesus weicht aus dieser Anfrage. So nicht, sagt er. Ihr Leute wollt Sicherheit. Aber die gibt es im Glauben nicht. Der Glaube ist ein Wagnis. Er ist keine abgeschlossene Lebensversicherung, sondern ein Sprung in unbekanntes Gewässer. Ihr kriegt keinen Beweis, sagt Jesus. Niemand soll als Zuschauer und Gaffer zu ihm kommen. Die Rede von seinem Gott ist von anderer Art. Sie stellt mich und mein bisheriges Leben total in Frage. Die Rede vom Gott Jesu Christi stößt alle meine Sicherheiten um, die ich mir gebaut habe.

Jesus ist ein Prophet. Das ist etwas anderes als ein Wundermann. Propheten sind Menschen, die mehr sehen als andere. Die um Gottes Nähe wissen und um das, was für uns Menschen gut ist. Sie wissen die Zeichen der Zeit zu deuten. Und Propheten bereiten Menschen vor auf einen radikalen Lebenswandel. Kehrt um, auf diese zwei Worte lässt sich die Botschaft aller Propheten konzentrieren. Seid bereit, euch verändern zu lassen. Lasst euch auf eine Reform des gesamten Lebens ein. Solchen Wandel kann ein Zauberkunststück nicht bewirken. Es reicht, wenn wir Jesu Worte hören und tun.

*

Jesus lässt sich nicht zum Magneten der Wünsche der Leute machen. Wer Zeichen und Wunder von Jesus haben will, verletzt ihn. Nur ein Zeichen lässt er gelten. Das Zeichen des Jona:  Dieses … Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.

Jesus selbst ist das Zeichen des Jona. Er war wie Jona im Bauch des Wales drei Tage tot. Aber Gott warf ins zurück ins Leben, wie der Wal den Jona an Land spuckte. Jesus, der tot war, lebt. Er ist unser Zeichen. Der vom Himmel auf die Erde kam. Der sich verletzlich und angreifbar und damit so menschlich zeigte, er allein ist Gottes Sohn. Er hatte keine „harte Haut“ wie jene, die immer stark und sicher sein wollen. Jesus hat sich da hin begeben, wo die schwachen, armen und kleinen Leute sind. Er war eben gerade kein Über-Mensch, kein Über-Herrscher, kein Über-Gott. Sondern er ging unter die Leute, die krank, unsicher und hilflos sind. Seine Liebe zog ihn nach unten und machte ihn so verletzlich. Liebe macht immer verletzbar. Bis dahin, dass Jesus auch vor dem Tod nicht zurück wich und ihn für uns mitgestorben ist. Sein Körper hat am Kreuz wirklich geblutet – aus Liebe zu dieser Welt.  

Gott will das Leben und nicht den Tod! Genau das ist das Zeichen des Jona. Gott ist ein Gott, der sogar aus dem Tode errettet. Ein Grund zur Hoffnung ist unser Gott, über den Tod hinaus. Der Gott, von dem Jesus authentisch erzählt, ist die große Ermutigung, schon in diesem Leben für dessen Besserung zu arbeiten. Nichts und niemanden verloren zu geben, die Leute in Ninive nicht, die erst nicht umkehren wollten. Die Menschen in Aleppo und in der Ost-Ukraine nicht, die Flüchtlinge auf den Booten im Mittelmeer nicht. Die Asylsuchenden bei uns  in Deutschland nicht. Überall gibt es böse Menschen, Schlepper und Verbrecher, die eine harte Strafe verdient hätten. Aber sollen um der wenigen Übeltäter willen alle anderen auch verderben, im Meer ersaufen oder als unliebsame Eindringlinge wieder in die Kriegsgebiete und damit in den sicheren Tod zurückgeschickt werden? Das kann nicht Gottes Wille sein, der doch das Leben will.

*

Darum: Erinnere dich an Zeichen des Kreuzes. Mehr kriegen wir nicht zu sehen. Mehr am Glauben wird uns nicht bewiesen, so sehr wie auch danach fragen. Jesus war tot, aber er lebt. Wer Jesu Worte hört, kriegt „mehr als Jona“. Denn Jona musste am Ende auch sterben und vergehen. Jesus aber lebt für immer. Daran dürfen wir uns auch in mitten in der Passionszeit erinnern. Erinnere dich, dass er aus dem Tod auferstanden ist. Wer an Jesus glaubt, der wird auch leben. Am Zeichen seines Kreuzes kann ich mich aufrichten. Und lernen, mein eigenes Kreuz in dieser Welt trotzig und stolz zu tragen.

Darum haben wir auch Hoffnung für die verfolgten Christen auf der Welt. Über ihre Geschichte ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Weder von Gott her noch von uns, die wir doch reich sind und ihnen helfen können. Erinnere dich, Mensch, dass du eines Tages vor Gott stehst. Dann, spätestens dann, wirst du deine verfolgten Brüder und Schwester kennenlernen.

Erinnere dich an das Zeichen des Kreuzes! In ihm wohnt das Leben. Auch für dich.

Amen.

 

 

 
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