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Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Licht am dunklen Ort“

Predigt zum Reformationstag

Pastor Frank Mühring      Bremen, 31.10.2017

„Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten. Der Herr ist meines Leben Kraft, vor wem sollte mir grauen?  (Psalm 27,1)

Liebe Gemeinde!

Seine Brüder nannten ihn respektvoll das „Licht am dunklen Ort“. Andere einen „Zertrenner und offenbarnen Ketzer“. Die Rede ist von Martin Luther (1483–1546). Ein scheuer Mönch, der sich gegen die Kräfte des Papstes, der Kirche und gegen den Kaiser behauptet hat und vielen Mut zur Freiheit gemacht hat. Er hat in einer dunklen Kirche wieder das Licht angemacht. Wie ist dieser kleine Mann - er war nur etwa 1,63 groß wie sein Wittenberger Talar beweist - zum Leuchtturm für die evangelische Kirche geworden? Kann er uns heute noch zu einem bedeutsamen „Licht am dunklen Ort“ werden?

Das Mittelalter war sicher nicht nur dunkel und schlecht. Aber es war ein Zeitalter der Angst. Nichts hat so viel Schrecken verbreitet wie der biblische Gedanke des jüngsten Gerichts. Eigentlich ist es tröstlich, dass nichts auf Erden verborgen bleibt. Keine schlimme Untat wird ungesühnt sein. Die Menschen fürchteten sich aber vor dem Moment, wo sie selbst vor Gott, dem Richter, stehen werden. Nackt und schutzlos. Ein Tag des Zornes, wo mir genau nach meinen Taten vergolten wird. Und alle ahnten zu Recht: Vor Gottes Thron, da werde ich nicht bestehen können. Gott wird streng und gnadenlos mit uns Menschen sein, dachte man. Mozart, Verdi, Dvorak und andere Komponisten haben diesen Moment vertont. Sie lassen Töne erklingen, die Mark und Bein erschüttern und die uns zu vernichten drohen.

Welch ein Graus wird sein und Zagen,

wenn der Richter kommt, mit Fragen

streng zu prüfen alle Klagen.

Natürlich gab es ein Gegengift gegen solche Angst. Die Kirche empfahl die Beichte und den Ablass. Sündenerlass für ein paar Taler. Und man konnte in der Kirche im Sonderangebot gleich die Eltern und Geschwister mit freikaufen. Der schmale, asketische Augustinereremit Luther wusste jedoch: Das beruhigt mein Gewissen nicht. Meine Angst vor dem, was sein wird, kann mir nur Gott selbst nehmen. Meine schwermütige Seele wird davon nicht leichter.

*

„Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten. Der Herr ist meines Leben Kraft, vor wem sollte mir grauen?  (Psalm 27,1)

Die Ängste heute sind andere. Wir fürchten uns nicht mehr vor dem jüngsten Gericht. Wir fürchten eher den sozialen Abstieg als Gottes Zorn. Uns graut vor vielem. Vielleicht wird der Job morgen weg sein, dein Geld, du könntest krank und alt werden und deine heutigen Freunde könnten dich morgen schon meiden. Es gibt keine Sicherheiten mehr, nirgends. Wir leben in einer Zeit vieler gefühlter Bedrohungen. Das treibt viele in die Arme jener Parteien, die den Mund gerne voll nehmen, aber nicht eine einzige Lösung parat haben. Was kann denn meinem Leben Kraft und Schwung geben? Wir sehen die Welt oft als düsteren Ort an. Ist sie das wirklich?  

Weit bevor Luther dem Kaiser und dem Papst widerstand, war er ein einfacher Bibelleser und Bibelhörer. Vor allem las und hörte er Psalmen. Im Kloster hörte er gesungene Psalmworte frühmorgens, Mittags, Abends und Nachts. Sie müssen sich in sein Ohr eingegraben haben, auch wenn sie auf Latein waren. „Dominus illuminatio mea et salus mea.“ Der Herr ist meine Erleuchtung und mein Heilsweg. Welcher Herr denn bitte? Der strenge Richter, der mich nach meinen Sünden beurteilt, kann das doch nicht sein.

Das Licht fand Luther woanders. Sein Beichtvater Staupitz gab dem ängstlichen, skrupulösen Luther einen wichtigen Hinweis. „Schau auf Christus.“ Er ist der Herr und sonst keiner. Plötzlich sah Martin Luther die Bibel in einem neuen Licht. Wenn das Leben mir Angst macht, mein Gewissen mich plagt, meine Sünde mich unfrei gemacht hat: Schau auf Christus. Der hat das schlimmste aller möglichen Urteile, die man sich denken kann, das Todesurteil, auf sich genommen. Luther fand am allerdunkelsten Ort, in der Nacht von Golgatha, das allerhellste Licht.

Du hast Angst vor Gottes Urteil über dich? Graust dir beim Gedanken an deinen Tod? Schau auf Christus! Er ist nicht finster, er ist hell. Er zeigt dir, wie Gott wirklich ist. Freundlich. Nicht nachtragend bis in alle Ewigkeit. Kein grausiger Richter Freisler mit schneidigem Ton. Christus ist der Herr und seine Stimme ist sanft. Dir ist vergeben. Die Last deiner Schuld musst du nicht bezahlen. Du bist hindurch. Du bist frei. Du musst nicht selber Licht serin, Christus ist das Licht.

*

„Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten. Der Herr ist meines Leben Kraft, vor wem sollte mir grauen?  (Psalm 27,1)

Wo erlebe ich denn, dass ich im Licht stehe? Wenn die Menschen mich loben und toll finden? Wenn ich versuche, es allen recht zu machen? Durch eigene Leistung schaffe ich es nicht. Weder mein Beten, noch die beste Theologie, noch meine gute Werke führen mich dorthin. Es geht nur so, dass ich mir das Licht schenken lassen. Im Segen. „Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir.“ Da stehe ich im Licht. Ohne etwas tun zu müssen, ohne mich verbiegen zu müssen oder mich herausputzen zu müssen.

„Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?“ Die Antwort ist klar – vor niemandem. Ich selbst werde im Segen zum Spiegel, der dieses Licht weiter sendet. Segen ist viel mehr als ein Wohlfühlelement. Nichts gegen Wohlfühlen. Aber der Segen hilft  eben auch, wenn uns gar nicht Wohl ist. „Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.“ „Vater und Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.“ „Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht.“ Schau auf Christus. Er ist dein Licht. Vergiss es ja nicht.

Amen.

 

 
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