Home
Brem. Evang. Kirche
Meine Gemeinde
Aktuelle Predigt
Ev. Posaunenwerk
Gustav-Adolf-Werk
Termine


Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

„Kaufet die Zeit aus“

Predigt zu Epheser 5,15-20

Pastor Frank Mühring       Bremen, 19.10.2014

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit.Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. (Epheser 5,15-20)

Liebe Gemeinde,

meine Großmutter besaß eine alte Standuhr. Groß und wuchtig thronte sie in der Ecke der Wohnstube. Zu jeder Stunde ertönte ein Gongschlag, der original nach dem „Big Ben“ in London klang. Dann folgte die genaue Zahl der Stundenschläge. Ich liebte diese Uhr. Das goldfarbene Pendel, das in ruhigem Gleichmaß die Stunde durchpflügte. Doch dann kam die Nacht. Ich sollte in Großmutters Stube auf dem Sofa nächtigen. So unruhig habe ich nie wieder geschlafen. Die Standuhr schlug permanent ihren Takt. An Schlaf war nicht zu denken. Immer wenn mich das ruhige Ticken der Uhr müde gemacht hatte, gongte der laute Stundenschlag in die Stille hinein. Man war wieder hellwach. So ist Zeit, dachte ich. Unbarmherzig. Sie schreitet voran. Nimmt keine Rücksicht auf den, der sie anhalten oder unterbrechen will.

Nimm dir Zeit, über deine Zeit nachzudenken. Dazu lädt uns der Epheserbrief ein. Deine Zeit ist dein Leben. Was ist eigentlich aus der kleinen Konfirmandin und dem jungen Konfirmanden von damals geworden? Was bist du mit deiner Zeit umgegangen? Lässig, locker, freigiebig wie ein Kind? Oder ängstlich und furchtsam wie ein Erwachsener, der keine Minute zu versäumen hat? Immer mehr Menschen denken, sie müssten aus dem kurzen Erdenleben alles rausholen, was nur drin steckt. Sie fangen an zu hetzen. So viel ist  vor dem zeitlichen Tod noch zu erledigen. Kind, Karriere, Reisen, wo man noch nicht war. Das irdische Leben ist für viele zur letzten Gelegenheit geworden. Erlebe dein Leben! heißt das Motto der Erlebnisgesellschaft. Man darf in seiner Zeit auf keinen Fall etwas verpassen. Maximales Glück in minimaler Zeit. Unser Gott heißt „Tempo“. Die Zeit rennt und rennt. Und wir Menschen rennen hinterher – frei  nach Helene Fischer: „Atemlos durch die Nacht“.

Jewgenij Jewtuschenko, ein russischer Dichter, schreibt:

„In Zeitnot geraten wie in ein Netz ist der Mensch. Atemlos hetzt er durch sein Leben und wischt sich den Schweiß. Ein Fluch des Jahrhunderts ist diese Eile. Es wird ganz eilig gezecht und ganz eilig geliebt, ganz tief sinkt die Seele dabei. …

Halt ein, bleib doch stehen,der du wie auf fallendem Laub über Gesichter stampfst und sie nicht ansiehst. Halt an, bleib doch stehen - du hast Gott vergessen und schreitest ja über dich selbst hinweg.“

 *

"So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt.“ Der Epheserbrief ist aus der zweiten oder dritten Generation der Christen. Die erste Begeisterung, dass Jesus quasi übermorgen wiederkehrt, ist dahin. Die Zeit dehnt sich. So haben die Christen in Ephesus Zeit, über ihr Leben nachzudenken. Der Epheserbrief hält uns einen Spiegel vor und frage uns: „Träumst du noch oder lebst du schon? Was fängst du an mit deiner Zeit?

Ebenfalls im Epheserbrief stoßen wir auf die erstaunliche Aussage: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ (Eph. 2,10). Das heißt: Gott hat ja Tag für Tag alles schon vorbereitet. Er hat gute Ideen für unser Leben. Er hat für den heutigen Tag bereits einen Tagesplan erstellt. Und es geht darum, dass wir das wissen und die Herausforderungen annehmen, in die Gott uns heute stellt. Wir dagegen lassen uns oft treiben und bestimmen von der „bösen Zeit“, von dem, was uns vorwärts treibt, umtreibt und mitreißt.

Wir müssen das Richtige zur richtigen Zeit tun und das Wichtige dem Unwichtigen vorziehen. Konzentriere dich auf das Richtige und auf das Wichtige. Wenn dich dein Terminkalender versklavt, leg ihn beiseite! Dem Mystiker Meister Eckhardt wird das Wort zugeschrieben: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der mir gerade gegenübersteht. Das wichtigste Werk ist immer die Liebe.“

„Kauft die Zeit aus“ – rät uns der Epheserbrief. Das klingt so ähnlich wie „Zeit ist Geld“, aber gemeint ist so ziemlich das Gegenteil. Die „Zeit auskaufen“ - das bedeutet, dass wir erkennen, was gerade dran ist. Es geht darum, seine Zeit weise zu planen. Wer im Herbst ernten möchte, der muss im Frühjahr säen. Der muss für die Saat, die Pflege und die Ernte den passenden Zeitpunkt erkennen. Das Wetter muss stimmen, der Reifegrad muss stimmen, das Richtige muss zur rechten Zeit passieren, sonst wird das nichts. So ist das im Leben auch.

Wer ernten will, muss s
äen. Wer einen guten Schulabschluss machen will, muss zur rechten Zeit etwas dafür lernen. Wer eine glückliche Ehe führen möchte, der muss Kraft, Zeit und Liebe investieren. Wer Anteil an der Ewigkeit haben möchte, darf sein geistliches Leben nicht vernachlässigen. Wer in einer lebendige Gemeinde leben will, muss Gottes Wort ausstreuen. Darf nicht darauf warten, dass das die Pastoren tun. Das zu erkennen und das Richtige zur richtigen Zeit auch zu tun, das heißt „seine Zeit auskaufen“. Ein Wort im rechten Augenblick, schweigende Zuhören zur rechten Zeit, ein Händedruck, ein Geschenk, ein Gebet, sie können ein Leben ändern.  

*

„Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit.“ Es ist böse Zeit, nicht weil so viel Schreckliches in unserer Welt passiert. Die Zeit wird von der Bibel nicht verachtet oder verteufelt. Der Epheserbrief ist kein Machwerk eines Pessimisten: „Früher war alles besser.“ Nein! Der Verfasser will aufrütteln. Die Zeit flieht. Deine Zeit bleibt nicht stehen, sie schlägt wie Großmutters Standuhr unbarmherzig weiter. Wenn wir nicht aufpassen, zerrinnt sie uns zwischen den Fingern. 

„Versteht, was der Wille des Herrn ist.“ Der für mich wichtigste Satz. Es ist ja schön, lieber Mensch, was du alles mit dir vorhast. Frag dich doch mal, was Gott mit dir vorhaben könnte. Unsere Zeit kommt und vergeht. Gott aber ist nicht der Kategorie der Zeit unterworfen. Er bleibt, er ist da, er kommt. „Meine Zeit steht in seinen Händen“ (nach Psalm 31,16). Er ist allein der Ewige. Er wird einmal über mich richten, wenn ich mal vor ihm meinen Terminkalender öffne und meine Erlebnisse von früher offenlege. Gott wird über unsere Zeit richten. Ich glaube nicht, dass ich dann sagen werde: „Ach, hätte ich doch mehr Zeit im Büro verbracht ...“

Sagst du: Zeit ist Geld. – Dann ist das sehr wenig. Treiben wir die Geschäfte Gottes, so wissen wir: Zeit ist Herrlichkeit. Das weist auf den hin, der uns diese Lebenszeit geschenkt hat: auf Gott. Und mit Geschenken geht man gut um, nicht zuletzt, weil man dem Schenkenden so Dank erweisen will. Wer Gott im Blick hat, und nicht nur seinen eigenen Erfolg, sein Geld, seinen Spaß, der sieht weiter, der sieht mehr.

*

Darum: „Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“

Allezeit für alles danken. Das klingt wie eine Überforderung. Jedoch: Christen können das, allezeit für alles dankbar sein. Nicht weil sie naiv oder blind wären. Sondern weil wir vertrauen, dass Gott zuletzt uns alles geben wird, was wir brauchen. „So viel du brauchst“ wird Gott dir geben, jeden Tag neu. Gott kann selbst das Unerfreuliche, Dunkle, von dir nicht Verstandene in Segen verwandeln kann.

Mit Dankbarkeit und Vertrauen dürfen wir heute goldene Konfirmation feiern, egal was war und egal was vorkommen mag. Dazu passt ein Gebet, das ursprünglich für das jüdische Passafest geschrieben wurde. Dieses Gebet lautet:

„Auch wenn unser Mund mit Liedern voll wäre – so umfangreich wie das Meer, auch wenn unsere Zungen mit Freude bewegt wären – so gewaltig wie Seewellen, auch wenn unsere Lippen so breit wie der Himmel und mit Lobpreis gefüllt wären, auch wenn unsere Augen wie die Sonne leuchten würden, auch wenn unsere Hände im Gebet ausgebreitet wären wie die Flügel eines Adlers, so wären wir dennoch unfähig, dir angemessen zu danken für ein Tausendstel der Liebe, die du uns gezeigt hast.“

Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie sie der Geist eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn. Viele würden sagen: wie unnütz, was könnte man da alles Besseres antun. Wir Christen sagen: Das ist die Grundmelodie und der Takt meines Lebens.

Amen.


 
Willkommen beim Portal für modernes Predigen | frank.muehring@t-online.de