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Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

In der heißen Zone des Glaubens

Predigt zu Daniel 3

Pastor Frank Mühring          Bremen, 17.8.2014

Die Geschichte der drei Männer im Feuerofen, selten wird über sie gepredigt. Dabei geht es darum, ob unser Glaube Bestand hat in der „heißen Zone“ des Glaubens:

König Nebukadnezar ließ ein Standbild aus Gold machen …. In der Ebene von Dura in der Provinz Babel stellte er es auf. Und Nebukadnezar, der König, sandte aus, um die Satrapen, die Vorsteher, die Statthalter, die Ratgeber, die Schatzmeister, die Richter und die Gerichtsbeamten, alle Machthaber der Provinzen, zu versammeln, damit sie zur Einweihung des Standbilds kämen, das Nebukadnezar, der König, aufgestellt hatte. Und wer nicht niederfällt und huldigt, wird umgehend in den lodernden Feuerofen geworfen.

Und es kamen chaldäische Männer und verleumdeten die Judäer: … Du, König, hast einen Befehl erlassen: Es gibt aber judäische Männer, die du eingesetzt hast über die Verwaltung der Provinz Babel: Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Diese Männer scheren sich nicht um dich, König! Deinen Göttern dienen sie nicht, und dem goldenen Standbild, das du aufgestellt hast, huldigen sie nicht.

Da befahl Nebukadnezar voller Zorn und Wut, Schadrach, Meschach und Abed-Nego herzubringen. Daraufhin sprach Nebukadnezar zu ihnen: Ist es wahr, … , dass ihr meinen Göttern nicht dient und dem goldenen Standbild, das ich aufgestellt habe, nicht huldigt? Nun, wenn ihr bereit seid, euch niederzuwerfen und dem Standbild, das ich gemacht habe, zu huldigen, sobald ihr den Klang des Horns…  hört - wenn ihr aber nicht huldigt, werdet ihr umgehend in den lodernden Feuerofen geworfen. Und wer sollte der Gott sein, der euch aus meinen Händen retten könnte?

Daraufhin sprachen Schadrach, Meschach und Abed-Nego zum König: Nebukadnezar, darauf müssen wir dir keine Antwort geben. Wenn der Gott, dem wir dienen, uns retten kann, wird er uns aus dem lodernden Feuerofen und aus deiner Hand, König, retten. Und wenn nicht - es sollte dir bekannt sein, König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und dem goldenen Standbild, das du aufgestellt hast, nicht huldigen werden! Da schäumte Nebukadnezar vor Wut, und der Ausdruck seines Gesichts änderte sich … .

Daraufhin befahl er, den Ofen einzuheizen, siebenmal stärker als man ihn üblicherweise einheizte. Und einigen Männern, tüchtigen Kriegern, die in seinem Heer waren, befahl er, Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu fesseln, um sie in den lodernden Feuerofen zu werfen. … Und diese drei Männer, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, fielen gefesselt in den lodernden Feuerofen. Da erschrak Nebukadnezar, der König, und erhob sich eilends. Daraufhin sagte er zu seinen Staatsräten: Haben wir die drei Männer nicht gefesselt in den Feuerofen geworfen? Daraufhin sagten sie zum König: Gewiss, König! Daraufhin sagte er: Seht, ich sehe vier Männer frei umhergehen im Feuer, und sie haben keine Verletzung, und das Aussehen des Vierten gleicht dem einer Gottheit.

Da trat Nebukadnezar an die Tür des lodernden Feuerofens. Daraufhin sagte er: Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ihr Diener des höchsten Gottes, kommt heraus und kommt her! Da gingen Schadrach, Meschach und Abed-Nego hinaus aus dem Feuer. … Und das Haar auf ihren Köpfen war nicht versengt und ihre Kleider waren unversehrt, und nicht einmal der Hauch eines Feuers war an sie gekommen. Daraufhin sagte Nebukadnezar: Gepriesen ist der Gott von Schadrach, Meschach und Abed-Nego, der seinen Engel geschickt und seine Diener gerettet hat, die ihm vertraut haben und die das Wort des Königs übertreten und ihre Körper hingegeben haben, um keinem Gott dienen und huldigen zu müssen außer allein ihrem Gott. (Aus Daniel 3)

Liebe Gemeinde, 

solcher Mut, wie ihn die drei Männer im Feuerofen beweisen, ist uns nicht angeboren. Mut ist der Sieg über unsere Ängste. Eher die Angst ist uns angeboren: die Angst vor dem Stärkeren, die Angst vor den Mächtigen, die Angst zu unterliegen, die Angst vor körperlichen Schmerzen, die Angst um unser Leben. Angeboren ist uns der Wille zum Überleben, der macht uns vorsichtig, bis hin zur Feigheit. Oder er kann uns auch mutig machen, wie diese Wundergeschichte aus der heißen Zone des Glaubens.

Auf Englisch heißt Feuerofen „burning fiery furnace“. Die Flüchtlinge aus dem Irak, die aus der Kampfzone heraus gekommen sind, berichten, sie seien aus einem „Feuerofen“ entkommen. Es geht dort um Leben oder Tod, und es gut, wenn unsere Regierung jetzt Hilfe schickt. Im Buch des Propheten Daniel geht es um drei Männer, die einen ungewöhnlichen starken Glauben haben. Ein Glaube, der sagt: Mein Lebensweg mag mich in die falsche Richtung mich führen, ja, selbst wenn ich den Tod erleiden muss, so glaube ich dennoch an Gottes Führung.

Es ist eine Geschichte vom Widerstehen, die uns ermutigt, dass an Gott Glaubende keine dumpfen Ja-Sager sind. Dass Glaube nicht nur „Für-wahr-halten“ und „Mit-dem-Kopf-nicken“ ist. Sondern dass Nein zu sagen zuweilen das deutlichere und klarere Zeichen ist. Drei Männer machen nicht mit. Sie werden aufgefordert, dem Herrscher ihre Reverenz zu erweisen. Sie weigern sich, dem Befehl von oben zu gehorchen. Sie tun das weder demonstrativ noch provokant. Sie sagen „nein“ und beugen einfach nicht ihre Knie. Sie tun etwas, was frommen Juden selbstverständlich ist. Sie halten das erste Gebot. Sie akzeptieren kein göttliches Bild neben dem höchsten Gott, der über uns ist. Sie verweigern sich. Denn für Glaubende, die es wirklich ernst meinen mit ihrer Religion, ist der erste Platz immer schon besetzt und zwar von Gott. Alles, was statt seiner den ersten Platz verlangt, verdient Misstrauen, Kritik und ein deutliches „Nein“. Hier wird die Entscheidung auf die Spitze getrieben, weil es das Leben der drei Jünglinge kosten kann.

Mit dieser Weigerung machen die drei Männer von einer Möglichkeit Gebrauch, die den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Ein Mensch kann nein sagen. Er ist nicht nur ein Getriebener. Ein Lemming, der alles mitmacht, was die Masse macht. Der Mensch ist nicht nur das Produkt seiner umstände. Er kann und muss sich verantworten. Er kann ja oder nein sagen. Die Versuchung, sich einfach nur im Strom der Vielen treiben zu lassen, ist groß. Drei Männer sagen „Nein“. Und weil sie es getan haben, ist diese Geschichte eine wichtige Geschichte. Sie hat es zwar nicht in den evangelischen Predigtplan geschafft. Aber sie ist ein Mitmachgeschichte. Mach nicht überall mit. Sag nein, weigere dich. Zeige Widerstand. Auch als Christ. Gerade als Christ.

*

Die Geschichte der drei jungen Männer im Feuerofen ist eine zutiefst evangelische Geschichte. Sie erinnert an den jungen Luther, der vom Kaiser und den katholischen Fürsten aufgefordert wurde, seine Schriften zu widerrufen. Luther sagte nein. Die Kirche war freilich nicht immer auf der Seite der drei Widerständler. Als sie mächtig war im Mittelalter, nahm sie selbst Züge des Herrschers Nebukadnezar an. Sie schickte jene ins Feuer, die sie ihrerseits für Ketzer und Abweichler hielt. Das ist wohl die schlimmste Versuchung für Diener der Kirche, dass sie sich selbst zu Herren über Leben und Tod machen.

Das mutige „Nein“ der drei Leute soll uns zeigen: Du, Mensch, hast Freiheit, ja oder nein zu sagen. Wie immer du dich entscheidest, es geht um dein Leben. Sag nicht ja, wenn du eigentlich nein meinst. Kirche sollte solche Freiheit verstärken, wo sie nur kann. Man kann diese „Nein“ auch Zivilcourage nennen. Ein Wort, das viele im Munde führen. Und nur wenige wirklich riskieren. Diese Geschichte mahnt uns: Zivilcourage kostet dich etwas! Sie gibt es nicht kostenlos und gefahrlos. Dieses Wort hat zum ersten Mal 1847 ein Mann benutzt, von dem man es nicht unbedingt erwarten würde: Otto von Bismarck. In einer Debatte des preußischen Landtages war der Junker ausgepfiffen worden. Hinter vorgehaltener Hand sagte ihm ein Parteifreund, dass er wohl recht habe mit seiner Meinung, nur könne man so etwas nicht öffentlich sagen. Da antwortete ihm Bismarck: „Mut auf dem Schlachtfeld ist bei uns (Deutschen) Gemeingut. Aber sie werden es nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Zivilcourage fehlt.“ Zivile Tapferkeit, darum geht es. Den Mut, auch vor den Freunden einen Schritt weiter zu gehen als sie es tun würden. Den Mut, auf eigenes Risiko „Nein“  zu sagen.

Das ist Glaube, liebe Freunde. Glaube, der nicht erst sich nach hier und dahin absichert. Unbedingter Glaube, der etwas wagt. Was sagten die drei Männer dem Nebukadnezar? Auch wenn Gott nicht retten sollte, halten wir fest an ihm als unseren Gott. Der Glaube ist eben kein “commercial business,” der nach Erfolg, Gewinn und gutem Ausgang ausgerichtet ist. Sondern ein Weg, der uns zu uns selbst kommen lässt. Uns zu aufrechtem Gang, zu innerer Freiheit, hin zu unserem wahren Wesen, verhilft. Und da bleiben uns Götterstürze nicht erspart. Selbsternannte Götter verlieren auf diesem Weg ihre Macht.

*

Die Geschichte vom Feuerofen geht Gott sei Dank gut aus. Die drei Männer überstehen auf wundersame Weise das tödliche Feuer. Sie kommen da gut durch und bestehen ihre Bewährungsprobe. So gut wie die drei Männer im Feuerofen kommen wir nicht immer durch unsere Lebensprüfungen und Konflikte. Es heißt, ihnen wurde kein Haar versengt, obwohl der Ofen siebenmal heißer war als sonst. Bei uns wird das anders sein. In den Konflikten, wo wir „Nein“ sagen müssen, wird es Verletzungen geben. Es wird Verwundungen geben, bei uns und anderen. Und manchmal auch Verwunderung, wenn Leute über uns sagen: „So widerständig kennen wir dich gar nicht. Was ist mit dir los?“ Es wird Narben geben, wenn wir lernen, zu unserem „Nein“ zu stehen. Aber das ist nicht das Entscheidende.

Das Entscheidende ist der geheimnisvolle vierte Mann, der da plötzlich im Ofen wandelt. Er war von göttlicher Gestalt, heißt es. War er ein Engel? War es Jesus selbst, der da als Gottes Sohn erschien, schon Jahre vor seinem Erscheinen in dieser Welt? Vielleicht ist dieser vierte Mann nichts anderes als ein personifiziertes Versprechen. Gott sagt: Ich werde da sein, wenn du durchs Feuer gehst. Ich stehe an deiner Seite sein, wenn du Widerstand übst. Ich bin da, wenn das Gelingen deines Lebens auf dem Spiel steht. Eine „Überlebensgarantie“ für alle Fälle ist das nicht. Aber eine tiefe Zusage: Ich bin bei dir in den heißen Zonen des Lebens.

In Amerika erzählt man sich eine ähnliche Geschichte über die Entstehung des Liedes „We shall overcome“ in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Im Staat Tennessee war ein schwarzer Jugendchor zu Gast und hatten den Tagesabschluss in einer Kapelle begangen. Plötzlich war die Kapelle von Mitgliedern des „Weißen Bürgerrats“ umzingelt. Sie trugen brennende Fackeln, Schrotflinten und drohten die Kirche anzuzünden. Sie forderten die Jugendlichen auf, herauszukommen, laut und energisch. Dann begann eine leise Stimme zu singen: „We shall overvome. We are not afraid.“ Wir werden überwinden. Wir haben keine Furcht. Die weißen Volkswarte verließen den Platz nach und nach. Ein Lied hatte sie vertrieben. Das ist Mut. Und den brauchen wir alle, um zu überleben in dieser Welt.

 Amen.

 

 
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